Von Courthézon in die Welt: die Geschichte der Famille Perrin
Die Geschichte beginnt 1909, als Pierre Tramier das von der Reblaus verwüstete Château de Beaucastel in Courthézon im Vaucluse erwarb und die Weinberge neu bepflanzte. Sein Schwiegersohn Pierre Perrin übernahm das Gut und legte den Grundstein für die Winzerdynastie, die heute seinen Namen trägt. Dessen Sohn Jacques Perrin hob die Weine in den folgenden Jahrzehnten auf ein neues Niveau und prägte den Stil des Hauses so nachhaltig, dass ihm zu Ehren eine der legendärsten Cuvées des Südlichen Rhônetals benannt wurde: der Hommage à Jacques Perrin. Heute führen die vierte Generation, Jean-Pierre und François Perrin, gemeinsam mit sieben Mitgliedern der fünften Generation — darunter Marc, Pierre, Thomas, Cécile, Charles, Matthieu und César — das Weingut weiter. Jede Generation trägt ihre eigene Handschrift bei, ohne die gemeinsamen Werte zu verlassen.
Beaucastel ist das Herzstück, aber längst nicht das Einzige: Im Laufe der Jahrzehnte hat die Familie Rebflächen in Gigondas, Vinsobres, Ventoux und weiteren Appellationen des südlichen Rhônetals erworben und das Label Perrin et Fils als eigenständige Marke für die gesamte Bandbreite dieser Terroirs aufgebaut.
Biodynamie seit 1974: Pionierarbeit statt Modetrend
Was heute in aller Munde ist, praktizieren die Perrins seit Generationen. Bereits um 1950 stellten sie ihre Weinberge auf organischen Anbau um — Jahrzehnte bevor das Thema in der Branche relevant wurde. 1974 folgte auf Beaucastel die Umstellung auf Biodynamie: Mondkalender, natürliche Präparate, konsequenter Verzicht auf synthetische Inputs. Ziel war und ist es, den Boden als lebendiges System zu begreifen, in dem Fauna, Flora und Jahreszeitenrhythmus die Gesundheit der Rebe bestimmen.
Im Weinberg bedeutet das tägliche Handarbeit: Belaubungsregulierung, niedrige Erträge, sorgfältige Handlese. Die Böden auf Beaucastel — miozäne Molasse, überlagert von alpinem Schwemmland und dem für Châteauneuf-du-Pape typischen Geröll aus großen Kieselsteinen — speichern tagsüber die Wärme und geben sie nachts gleichmäßig ab. Der Mistral hält die Trauben gesund und reduziert den Einsatz von Kupfer und Schwefel auf ein Minimum. Im Keller folgt auf diese Sorgfalt konsequente Zurückhaltung: Das Terroir soll sprechen, nicht die Technik.
Alle 13 Rebsorten, ein unverwechselbarer Stil
Was Beaucastel von seinen Nachbarn unterscheidet, ist der außergewöhnlich hohe Mourvèdre-Anteil in den roten Cuvées. Während die meisten Châteauneuf-du-Pape-Produzenten auf Grenache setzen, verleiht Mourvèdre den Weinen der Perrins Struktur, Würze und ein Reifepotenzial, das weit über ein Jahrzehnt reichen kann. Alle 13 in der Appellation zugelassenen Rebsorten wachsen auf Beaucastel — der Assemblage-Ansatz der Familie ist handwerkliches Credo. Bei den weißen Weinen dominiert Roussanne und sorgt für Dichte und Altersfähigkeit, die in der Region ihresgleichen sucht.
Das Sortiment spannt einen weiten Bogen: vom zugänglichen La Vieille Ferme in Rosé und Rot bis zum großen Châteauneuf-du-Pape von Beaucastel, vom frischen Côtes du Rhône Réserve bis zum kräftigen Gigondas La Gille. Dieser Bogen ist kein Widerspruch, sondern das Ergebnis einer konsequenten Lesart verschiedener Terroirs durch dieselbe Winzerfamilie — in der fünften Generation, mit denselben Werten wie 1909.