Von Tain l'Hermitage in die Welt: fast zwei Jahrhunderte Familiengeschichte
1834 legte Antoine Jaboulet in Tain l'Hermitage den Grundstein für eines der ältesten und einflussreichsten Weinhäuser des Rhônetals. Auf den steilen Hängen des Hermitage-Hügels begann er Rebflächen zu bewirtschaften, die seine Söhne Paul und Henri später ausbauten – wobei Paul schließlich dem Haus seinen Namen gab. Über Generationen hinweg blieb die Maison in Familienhand: Louis Jaboulet, der das Weingut von 1935 bis 1977 führte, und sein Sohn Gérard, der bis zu seinem Tod 1997 die internationale Bekanntheit des Hauses vorantrieb, gelten als Architekten der goldenen Ära. 1961 gelang mit dem Hermitage La Chapelle ein Wein, der bis heute als eines der ikonischen Gewächse des 20. Jahrhunderts gilt. 2006 übernahm die franko-schweizerische Familie Frey das Haus – nach mehr als 170 Jahren in Jaboulet-Besitz. Jean-Jacques Frey, bereits in Bordeaux und der Champagne verankert, übergab die Leitung unmittelbar an seine Tochter Caroline.
Caroline Frey und die Rückkehr zur Lebendigkeit des Bodens
Caroline Frey, Önologin und Winzerin, studierte an der Universität Bordeaux und startete ihre Karriere mit der Leitung von Château La Lagune im Haut-Médoc. Als sie 2006 die Verantwortung für Jaboulet übernahm, setzte sie von Beginn an auf einen klaren Kurs: den vollständigen Umbau des Weinbergsmanagements in Richtung ökologischen und biodynamischen Landbaus. 2016 wurden sämtliche Rebflächen offiziell als bio-zertifiziert (AB) anerkannt – ein Prozess, der über ein Jahrzehnt konsequenter Umstellungsarbeit erforderte. Freys Überzeugung: Lebendige, wasserretentierende Böden mit hoher Biodiversität sind die Voraussetzung für präzise, tiefgründige Weine. Dazu gehört auch die Pflanzung von Bäumen und Hecken im Weinberg sowie der Erhalt von Waldgebieten auf dem Domaine-Gelände. Parallel dazu wurde die Produktionsmenge von La Chapelle deutlich reduziert, um die Selektion zu schärfen. Unter der Frey-Ägide rehabilitierte die internationale Kritik das Haus nach einer Schwächephase in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren.
Syrah, Marsanne, Granit und Löss: was das Sortiment zusammenhält
Das Domaine verfügt über mehr als 100 Hektar Rebflächen, verteilt über die bedeutendsten Appellationen des nördlichen Rhônetals – Hermitage, Crozes-Hermitage, Cornas, Côte-Rôtie und Saint-Joseph – ergänzt durch Lagen im südlichen Rhône. Im nördlichen Teil dominiert Syrah die Rotweine, während Marsanne, Roussanne und Viognier die Weißweine prägen. Die Leitcuvée Hermitage La Chapelle – benannt nach der kleinen Kapelle des Heiligen Christophorus, die seit 1919 zum Besitz des Hauses gehört – schöpft aus mehreren Lagen des Hermitage-Hügels, darunter Le Méal, Bessards, Greffieux und Rocoules. Im Sortiment bei Vinoscout findest du die ganze Bandbreite: von der eleganten Mineralität der Crozes-Hermitage-Weißweine aus Marsanne bis hin zur strukturierten Tiefe der Côte-Rôtie-Lagen und der fleischigen Dichte eines Cornas. Die Weine verbindet ein Stilmerkmal, das seit der Umstellung auf Bio-Landwirtschaft noch klarer hervortritt: Terroirpräzision statt Schmeichelei, Spannung statt Fülle um der Fülle willen.