Vom Négociant-Haus zum Maßstab der Nordrhône
Die Geschichte von Maison Delas Frères beginnt 1835, als Charles Audibert und Philippe Delas in Tain-l'Hermitage ein bestehendes Handelshaus übernahmen, das die Winzer der Region bereits seit Jahren vertrat. Ihr gemeinsames Ziel: die außergewöhnlichen Terroirs von Hermitage und der nördlichen Rhône in Flaschen zu fassen. 1924 gaben Philippes Söhne Henri und Florentin dem Haus seinen heutigen Namen – Maison Delas Frères – und trieben den Ausbau der eigenen Weinberge voran. 1977 schloss sich das Champagnerhaus Deutz an, 1993 übernahm die Roederer-Gruppe das Haus vollständig. Mit Fabrice Rosset als Geschäftsführer und der Berufung von Jacques Grange zum technischen Direktor 1997 begann eine konsequente Qualitätsoffensive, die Delas zu einem der angesehensten Häuser der gesamten Rhône machte. 2020 wurde der neue Keller in Tain-l'Hermitage fertiggestellt – entworfen von Architekt Carl Fredrik Svenstedt, gebaut um das Prinzip der Schwerkraft-Vinifikation.
Parzelle für Parzelle: Handwerk auf Granitböden
Delas besitzt heute 30 Hektar Spitzenlagen in der nördlichen Rhône, darunter 10 Hektar auf dem berühmten Hermitage-Hügel mit seinen steilen Granitböden. Jede Parzelle wird einzeln bewirtschaftet: Bestandsalter, Ausrichtung und spezifische Bedürfnisse bestimmen das Vorgehen. Die Lese erfolgt ausschließlich von Hand, terrassenweise und mit sorgfältiger Handlese. Seit 2013 arbeitet das Team nach organischen Prinzipien, ohne bisher eine Zertifizierung anzustreben. Im Keller setzt Delas auf parzellenweise Vergärung in Betonbehältern, die eine präzise Temperaturkontrolle und schonende Extraktion per Schwerkraft ermöglichen. Technischer Direktor Jacques Grange – mit burgundischer Prägung – arbeitet gemeinsam mit Kellermeister Marco Beckmann und Weinbergsdirektor Clément Panigai an einem Ansatz, der Präzision vor Volumen stellt.
Das Leitmotiv des Hauses: Granitböden, niedrige Erträge, sortenreiner Ausdruck. Syrah dominiert das Rotwein-Portfolio, Viognier die Weißen aus Appellationen wie Condrieu. Der natürlich saure, drainierende Granit bändigt die Vitalität der Rebe und konzentriert das Aromenprofil – genau das, was Delas-Weine von flacheren, alluvialen Lagen unterscheidet.
Stilistik: Eleganz statt Kraft, Terroir statt Typizität
Das Sortiment spannt sich von den zugänglichen Côtes-du-Rhône-Cuvées bis zu den Lagenweine der Collection Parcellaires – Einzellagen wie Crozes-Hermitage Le Clos oder Hermitage Les Bessards, die in starken Jahrgängen auf rund 5.000 Flaschen limitiert bleiben. Die Weine aus Cornas, Saint-Joseph, Condrieu und Crozes-Hermitage stehen für das Haus-Prinzip: Frische und Tiefe vor konzentrierter Schwere, strukturierte Tannine statt opulenter Fülle. Wer Delas-Weine kennt, erkennt sie am präzisen Säurebogen, der mineralischen Linie und dem langen Abgang – ob im einstiegsfreundlichen Delas Saint-Esprit oder in den großen Hermitage-Cuvées.