Von der Gaststube ins Glas: 1878 und die Anfänge der Familie Biscardo
Was heute als Mabis in den Regalen steht, wurzelt in einer Geschichte, die weit ins 19. Jahrhundert zurückreicht. 1878 gründete Terenzio Biscardo die Cantina Biscardo in der Provinz Verona — zu einer Zeit, als die Familie gleichzeitig das Gasthaus „Albergo alle Tre Corone" betrieb und damit Wein, Gastlichkeit und Handel von Anfang an verknüpfte. Terenzio gehörte zu den frühen Treibern des organisierten Weinhandels im Veneto und legte den Grundstein für eine überregionale Vermarktung. Sein Sohn Luigi baute das Unternehmen in den 1950er Jahren zur einer der bedeutendsten Kellereien des gesamten Veneto aus, investierte in Kellereitechnik und Abfüllung und öffnete neue Exportmärkte in der Schweiz, England und Deutschland. In den 1960er Jahren erreichte der Export von Biscardo-Weinen 39 US-Bundesstaaten.
Heute führen die Brüder Maurizio und Martino Biscardo das Weingut — gemeinsam mit Maddalena, Martinos Tochter, die als jüngste Generation in den Betrieb eingestiegen ist. Aus den Anfangsbuchstaben von Maurizio, Biscardo, Martino, Biscardo formten die Brüder den Namen Mabis: eine eigenständige Linie innerhalb des Familienbetriebs, die ihren gemeinsamen Stil trägt.
Appassimento als Handwerk: Wie Mabis seine Weine macht
Im Mittelpunkt der Mabis-Philosophie steht die Appassimento-Methode — ein Verfahren, das im Veneto seit Jahrhunderten bekannt ist und Biscardo zu einem seiner frühen modernen Verfechter machte. Geerntete Trauben werden nach der Lese kontrolliert getrocknet: Wasser verdunstet, Zucker, Aromen und Farbstoffe konzentrieren sich. Erst danach beginnt die Vergärung. Das Ergebnis sind Weine mit größerer Dichte und Tiefe, ohne dass synthetische Eingriffe nötig sind.
Beim Holzeinsatz agiert Biscardo bewusst zurückhaltend: Wo Fässer zum Einsatz kommen, sind es großvolumige Behälter von 500 oder 2.000 Litern, die Tannine abrunden, ohne die Frucht zu überlagern. Die Weinberge verwaltet die Familie selbst in den für die Region charakteristischen Lagen des Veneto — darunter Gebiete der Valpolicella Classica, aus denen die autochthonen Rebsorten Corvina, Rondinella und Molinara stammen.
Die Mabis-Trilogie: Neropasso, Rosapasso und die Klassiker der Valpolicella
Das Herzstück des Mabis-Sortiments ist die sogenannte Trilogie aus Neropasso, Oropasso und Rosapasso — drei Weine, die Maurizio und Martino Biscardo als eigene Handschrift innerhalb der Familientradition entwickelt haben. Der Neropasso Rosso Veronese ist ein Appassimento-Rotwein auf Basis der Valpolicella-Rebsorten: dunkle Frucht, samtiges Tannin, spürbare Wärme im Abgang. Der Rosapasso Pinot Nero Rosato zeigt die leichtere Seite der Appassimento-Methode — ein Rosé mit Kraft und Textur statt flüchtiger Blässe. Der Biscardo Valpolicella Ripasso Classico Superiore DOC steht in der langen Kellertradition der Familie: Wein, der ein zweites Mal über die Trester des Amarone läuft und dadurch Struktur und Fülle gewinnt.
Das Sortiment reicht über die Valpolicella hinaus: Soave, Lugana, Prosecco und Weine aus Projekten in Apulien und Sizilien zeigen, dass Biscardo die Qualitäten verschiedener italienischer Terroirs gezielt nutzt, ohne den Anker im Veneto zu verlieren. Servierempfehlung für die Rotweine: 16–18 °C, der Rosapasso leicht gekühlt bei rund 12 °C.