Von der Berliner Idee zur Benchmark für alkoholfreien Wein
Philipp Rößle und Moritz Zyrewitz kannten sich schon aus Studententagen, als sie 2018 in Berlin Kolonne Null gründeten. Der Anstoß war simpel und doch folgenreich: Beide schätzten guten Wein, vermissten aber einen würdigen alkoholfreien Begleiter zum Essen – etwas, das weder Traubensaft noch Industrieprodukt ist. Mit einem kleinen österreichischen Weingut entstand noch im Sommer 2018 der erste Wein, zunächst auf Berliner Wochenmärkten und in Weinhandlungen angeboten. Die Resonanz war stark genug, um rasch einen VDP-Winzer als nächsten Partner zu gewinnen. Was als Handvoll Flaschen begann, hat sich seither zur bekanntesten Adresse für entalkoholisierten Wein im deutschsprachigen Raum entwickelt.
Berliner Labor, rheinhessische Weinberge: wie Kolonne Null arbeitet
Kolonne Null besitzt keine eigenen Rebflächen und kehrt das als Stärke heraus: Das Team – heute ansässig in Berlin-Neukölln – konzentriert sich vollständig auf die Selektion, Cuvéearbeit und Entalkoholisierung. Die Partnerweingüter, darunter prämierte Familienbetriebe aus Rheinhessen, der Nahe und der Mosel, liefern ausgereifte Jahrgangsweine, deren Ausbau bereits vor der Ernte gemeinsam abgestimmt wird. Im hauseigenen Berliner Labor wählen Getränketechnologinnen und -technologen die Weine aus, die es in die Kollektion schaffen. Der Alkohol wird danach per Vakuumdestillation entzogen: Unter vermindertem Druck verdampft er bereits bei rund 30 °C, was thermischen Stress auf Aromen und Struktur minimiert. Den dabei freigesetzten Alkohol – hochwertigen, sortenreinen Rohalkohol – gibt Kolonne Null als Nebenprodukt an Partnerunternehmen weiter, wo er als Ausgangsprodukt für andere Spirituosen dient. Auf Farbstoffe und künstliche Zusätze wird in der gesamten Kollektion verzichtet.
Die Zusammenarbeit mit den Winzerinnen und Winzern reicht inzwischen deutlich über das Keltern hinaus: Stilistik, Rebsortenwahl und Cuvéestruktur werden gemeinsam entwickelt, damit Herkunft und Handschrift des jeweiligen Guts in der entalkoholisierten Flasche erkennbar bleiben. Eine faire und langfristig angelegte Partnerschaft mit Produzenten, Logistik und Distribution ist dabei laut eigenem Anspruch kein Nebengedanke, sondern Teil des Geschäftsmodells.
Riesling, Rosé, Rouge: was das Sortiment zusammenhält
Das Kernprinzip hinter allen Kolonne-Null-Weinen ist dasselbe: erst echter Wein, dann schonende Entalkoholisierung. Wer eine Cuvée Blanc No. 01 prickelnd, einen Rheinhessen-Riesling trocken oder eine Cuvée Rouge öffnet, soll Anbauregion, Rebsorte und Winzer-Handschrift schmecken – keine egalisierte Kategorie-Ware. Das Sortiment reicht von stillen Weißweinen und einem Riesling Reserve über Rosé in still und prickelnd bis zu zwei Rouge-Varianten. Auch Kooperationen mit renommierten Häusern wie Domäne Schloss Johannisberg zeigen, dass der Anspruch inzwischen auf Augenhöhe mit klassischen Spitzenweinen verhandelt wird. Die Weine enthalten maximal 0,3 % Vol. Alkohol und sind vegan. Trinktemperatur: je nach Stil 8–14 °C, analog zu alkoholhaltigen Pendants gleicher Rebsorte.