Von der Novareser Kaffeehaustheke zur Weltmarke
Alles begann 1860 in Novara, Piemont: Gaspare Campari, Sohn einer Bauernfamilie, destillierte einen bittersüßen Aperitif aus einer geheimen Mischung von Kräutern, Gewürzen und Fruchtschalen – eine Rezeptur, die sich bis heute nicht verändert hat. Wenige Jahre später zog er nach Mailand, eröffnete das Caffè Campari in der Galleria Vittorio Emanuele II und machte den leuchtend roten Bitter zum Gesprächsstoff der städtischen Oberschicht. Sein Sohn Davide, 1867 im Caffè geboren, trieb die erste Internationalisierung voran und etablierte erste Exportrouten. 1904 folgte das erste Industriewerk in Sesto San Giovanni – heute noch Sitz des Konzernhauptquartiers. 1932 erfand die Marke mit dem Camparisoda das weltweit erste vorgefertigte Einzel-Cocktail-Getränk und schrieb damit erneut Getränkegeschichte.
Der Wandel vom Familienunternehmen zur börsennotierten Gruppe vollzog sich schrittweise: 1946 formell als Davide Campari-Milano S.p.A. eingetragen, folgte 2001 der Börsengang in Mailand. Die Garavoglia-Familie hält seither über die Holdinggesellschaft Milano S.r.l. die Mehrheit und sichert die strategische Kontinuität.
Wachstum durch Markenpflege und gezielte Zukäufe
Die Campari Group versteht sich nicht als Produzent, der auf Volumen setzt, sondern als Hüter klar definierter Aperitif-Anlässe. Jede der über 50 Marken im Portfolio bleibt eng an ihre Herkunft und Rezeptur gebunden: Der Campari Bitter trägt dieselbe Formel wie 1860, die Destillate von Appleton Estate kommen ausschließlich aus Jamaika, und Aperol – 1919 von den Brüdern Barbieri in Padua, Venetien, gegründet und 2003 von Campari übernommen – wird nach wie vor dort produziert. Die Übernahme von Aperol für 150 Millionen Euro war eine der folgenreichsten Investitionsentscheidungen der Gruppe: Aus damals rund 30 Millionen Euro Jahresumsatz wurden mehr als 750 Millionen Euro, und Aperol ist inzwischen der umsatzstärkste Einzelposten im Konzern.
Seit 1995 hat die Gruppe über 30 Unternehmen akquiriert – von Crodino und Cynar über Wild Turkey und Grand Marnier bis hin zu Courvoisier Cognac – und in dieser Zeit den Umsatz von rund 494 Millionen Euro auf über drei Milliarden Euro gesteigert. Der Konzern ist heute in über 190 Ländern präsent und gilt als sechstgrößter Premiumspirituosen-Anbieter weltweit.
Aperitivo als Haltung – das Sortiment im Überblick
Was die Campari-Marken verbindet, ist kein Stil, sondern ein Moment: der Aperitivo, das gesellige Ritual vor dem Essen. Aperol, mit seinen Noten von Bitterorange, Rhabarber und Enzian, ist bei 8–10 °C als klassischer Spritz mit Prosecco und einem Spritzer Mineralwasser die zugänglichste Einstiegsvariante. Der Campari Bitter selbst – tiefer, komplexer, mit deutlicherer Bitternote – braucht Eis und eine Orangenscheibe oder wird zur Basis von Negroni und Americano. Der Campari Soda in der charakteristischen bauchigen Flasche ist die puristische Solovariante, ohne jede weitere Zutat trinkfertig. Appleton Estate Signature Blend aus Jamaika steht für die andere Seite des Portfolios: ein mehrjährig gereifter Rum, der pur oder in Longdrinks überzeugt. Alle Produkte eint, dass ihre Rezepturen auf Jahrzehnte ausgelegt sind – keine Saison-Editionen, keine ständig wechselnden Formeln.