Vom Gutshof des 19. Jahrhunderts zum Familienbetrieb der Gettuli-Castoldis
Der Name Cobue ist zugleich Lage und Versprechen: Loc. Cobue Sopra in Pozzolengo, am nördlichen Rand der Garda-Moränenhügel, war bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein landwirtschaftlicher Betrieb — lange bevor hier ein einziger Tropfen Wein vinifiziert wurde. 1971 kaufte Laura Gettuli das Anwesen und legte damit den Grundstein für das Weingut, das heute unter ihrem Namen und dem ihres Mannes Aurelio Castoldi bekannt ist. Was als klassische Tenuta mit gemischtem Anbau begann, verwandelte sich in den folgenden Jahrzehnten schrittweise in einen auf Wein spezialisierten Betrieb — mit der Lugana DOC als Herzstück. Heute führen die Kinder Simona und Gilberto Castoldi das Gut gemeinsam mit den Eltern weiter, ohne dabei die Handschrift der Gründergeneration aufzugeben.
Dass auf dem Gut auch Geschichte ruht, ist wörtlich gemeint: Auf dem heutigen Betriebsgelände wurde am 24. Juni 1859 ein Teil der Schlacht von San Martino ausgetragen — ein Schlüsselereignis der italienischen Unabhängigkeitskriege. Die Weine, die Cobue aus dieser Erde zieht, tragen diesen Ort in sich.
Unterirdischer Keller, schonender Weinberg
2013 wurde der Neubau der Kellerei abgeschlossen — und er ist alles andere als selbstverständlich: Die Vinifizierungsanlage liegt vollständig unter einem natürlichen Hügel vergraben. Das ist keine Ästhetik, sondern Pragmatismus: Konstante Temperaturen und Luftfeuchtigkeit ohne Klimatechnik, das ganze Jahr über. Über dem Keller können Besucher durch die Rebzeilen spazieren und die 25 Hektar des Guts überblicken, von denen mehr als 17 Hektar bepflanzt sind.
Im Weinberg arbeitet Cobue nach dem Prinzip des minimalen Eingriffs: reduzierter Rebschnitt, sorgfältige Selektion am Stock, zunehmend schonende Pflanzenschutzmethoden. Die Lese erfolgt ausschließlich per Hand, in Kisten. Kellermeister Maurizio vinifiziert ausschließlich Trauben aus eigenen Lagen — überwiegend autochthone Sorten — und verzichtet auf die malolaktische Gärung, um die natürliche Säurestruktur der Turbiana zu erhalten. Der gesamte Prozess vom Rebschnitt bis zur Abfüllung liegt in Familienhand.
Turbiana als Leitsorte — und mehr als nur Lugana
Wer Cobue auf einen Lugana-Produzenten reduziert, greift zu kurz — und Gilberto Castoldi würde widersprechen. Die Familie baut neben der Turbiana (der Leitsorte der Lugana DOC) auch Tocai für den San Martino della Battaglia, Groppello, Marzemino, Merlot und Chardonnay an. Das Sortiment umfasst trockene Weißweine, Rosé, Rotweine und vereinzelt auch Dessertweine. Im Vinoscout-Sortiment vertreten sind der Cobue Lugana Gold — ein sortentypischer Turbiana mit der salzig-mineralischen Prägung der lehmigen Moränenböden — sowie der Cobue Chiaretto Rosé vom Südufer des Gardasees. Was alle Cobue-Weine verbindet: Frische vor Fülle, Herkunft vor Gefälligkeit, und die Konsequenz eines Betriebs, der seinen Weinberg selbst bewirtschaftet und seinen Keller selbst führt.