Vom Saar-Traditionsweingut in die siebte Familiengeneration
Die Wurzeln des Weinguts von Othegraven reichen bis ins frühe 16. Jahrhundert zurück — der erste urkundliche Beleg für ein Weinpresshaus datiert auf 1604. Seit 1805 liegt das Gut ununterbrochen in einer Hand: Der Name der Familie wechselte, die Linie blieb dieselbe. 1925 übernahm Maximilian von Othegraven das Anwesen von seinen Vorfahren der Familie Grach-Weissebach und baute es als Mitgründer des VDP Mosel-Saar-Ruwer zu einem der angesehensten Riesling-Erzeuger der Region aus. Günther Jauch, dessen Großmutter eine geborene von Othegraven war, verbrachte als Kind viele Sommer bei Onkel Max und Tante Maria in Kanzem. Als er 2010 erfuhr, dass das Gut zum Verkauf stand, handelte er: Er und seine Frau Thea kauften es von Dr. Heidi Kegel zurück und führen es seither in der siebten Familiengeneration. Das herrschaftliche Gutsgebäude, der im Stil des Englischen Gartens angelegte Park mit uralten exotischen Bäumen und der angrenzende Kanzemer Altenberg stehen gemeinsam unter Denkmalschutz.
Handarbeit in der Steillage, Zurückhaltung im Keller
Das Weingut bewirtschaftet 14,8 Hektar ausschließlich in VDP-klassifizierten Groß- und Ersten Lagen an der Saar: Kanzemer Altenberg, Ockfener Bockstein, Wiltinger Kupp und Wawerner Herrenberg. Alle Rebflächen liegen in extremen Steillagen, in denen kein maschineller Einsatz möglich ist — jeder Schnitt, jede Lese erfolgt von Hand. Der Boden ist der klassische Devonschiefer der Saar; im Altenberg erhält er durch Eisenoxyd-Einlagerungen eine rötliche Färbung, die ihn von anderen Schieferparzellen der Region unterscheidet. Der Altenberg gilt zudem als Europas längste zusammenhängende Steillage mit einem Gefälle von 66 % bei konsequenter Südausrichtung.
Im Keller lautet die Devise minimaler Eingriff: Die Weine werden konsequent spontan vergoren und bekommen ausreichend Zeit zur Entwicklung. Die Philosophie dahinter hat Günther Jauch in einem Satz zusammengefasst: „Die Traube entscheidet, was sie wird." Kellermeister Swen Klinger und Geschäftsführerin Grit Schedlinski setzen diesen Anspruch operativ um. Dass das Konzept trägt, bestätigte der VINUM Weinguide mit der Auszeichnung als Winzer des Jahres 2023. Nachhaltigkeitsstandards sind über die Fair'n Green-Zertifizierung verankert.
Reiner Riesling, vier Große Lagen, ein unverwechselbarer Saar-Charakter
Von Othegraven baut zu 100 % Riesling an — keine andere Rebsorte, kein Kompromiss. Das Sortiment reicht vom zugänglichen Gutswein über feinfruchtige Kabinetts und Spätlesen bis zu den Großen Gewächsen aus Altenberg und Bockstein. Die Lagenweine zeigen, was Schieferböden und das kühle Saar-Klima aus Riesling machen: straffe Säure, die nie schartig wirkt, dichte Mineralität, Aromen von Pfirsich, Zitrusschale und Steinobst, getragen von einer salzigen, langen Finesse. Der Altenberg bringt dabei etwas mehr Körper und würzige Tiefe mit, während der Bockstein mit schlanker Frucht und Spannung überzeugt. Auch ein Riesling-Sekt brut gehört zum Programm — konsequent in der Linie, die das Gut seit mehr als einem Jahrhundert verfolgt: Saarwein in seiner reinsten Form.