Von der Jordan-Erbteilung zum Referenzgut der Mittelhaardt
Als 1849 der Grundbesitz von Franz Peter Buhl ins Grundbuch eingetragen wurde, entstand in Deidesheim eines der bedeutendsten Weingüter der Pfalz – hervorgegangen aus der Erbteilung des Jordan'schen Guts, aus der gleichzeitig Bassermann-Jordan und das heutige Von Winning entstanden. Franz Peter Buhl hatte die Weinberge über zwei Familienstränge geerbt: seine Mutter war eine Schwester von Peter Heinrich Jordan, seine Frau Josefine die Tochter von Andreas Jordan. Aus diesem Erbe baute er in kurzer Zeit einen international beachteten Betrieb auf: Beim Festakt zur Eröffnung des Suezkanals 1869 wurde ein Von-Buhl-Riesling gereicht – damals einer der teuersten deutschen Weine der Welt.
Sohn Armand von Buhl erweiterte den Besitz entscheidend durch Heirat: Die Forster Winzerfamilie Schellhorn-Wallbillich brachte Parzellen in den bis heute berühmten Großen Lagen Kirchenstück, Ungeheuer und Pechstein ein. Für seine Verdienste in der Weinbaupolitik – er war an der Gründung des deutschen Weinbauverbands beteiligt – erhielt er den Titel „Reichsrat der Krone Bayerns", der seit 1912 offiziell im Namen des Guts steht. Seit 2005 gehört Reichsrat von Buhl zur Niederberger-Gruppe, die auch Bassermann-Jordan und Von Winning vereint – drei einstige Teile des Jordan'schen Erbes unter einem Dach.
Biodynamik, Spontangärung und das Erbe der Champagne
Seit 2009 ist Reichsrat von Buhl ökologisch zertifiziert; ab dem Jahrgang 2018 arbeitet das Gut vollständig biodynamisch. Die Böden werden konsequent ohne synthetische Mittel bewirtschaftet, stattdessen kommen ausschließlich stärkende Präparate zum Einsatz – mit messbarem Effekt auf die Robustheit der Beerenhäute und die Vitalität der Wurzeln. Selektive Handlese sorgt dafür, dass nur vollreifes, gesundes Traubengut in den Keller gelangt.
Den stilistischen Neustart läutete ab 2013 der gebürtige Elsässer Mathieu Kauffmann ein, der zuvor zwölf Jahre als verantwortlicher Önologe bei Champagne Bollinger in Épernay gearbeitet hatte. Er brachte das präzise Handwerk der klassischen Flaschengärung in die Pfalz: Für die Sekte wird spontan angesetzt, die Hefedichte mikroskopisch kontrolliert und die Reifung auf der Hefe nach Champagner-Vorbild gesteuert. Im Keller finden sich heute Tonneau- und Doppelstückfässer aus deutscher Eiche für den Ausbau der Stillweine – ein Fingerzeig auf den Anspruch, Terroir sichtbar zu machen, nicht zu überformen.
Riesling als Maßstab – und mehr als nur Stille Weine
Rund 88 bis 89 Prozent der etwa 56 bis 58 Hektar Rebfläche sind mit Riesling bestockt. Die Parzellen liegen in den VDP-Großen Lagen der Mittelhaardt: Forster Jesuitengarten, Ungeheuer, Pechstein und Kirchenstück, dazu Deidesheimer Kieselberg und Herrgottsacker sowie Ruppertsberger Reiterpfad. Die Böden wechseln zwischen Kalkmergel, Buntsandstein und Basaltlava – das erklärt die stilistischen Unterschiede zwischen den einzelnen Lagenweinen trotz derselben Rebsorte.
Neben den trockenen Rieslingen vom Gutswein bis zum Großen Gewächs zeigt das Sortiment, was Kauffmanns Champagner-Erfahrung bewirkt hat: Der Riesling Brut und der Blanc de Blancs Prestige brut entstehen in klassischer Flaschengärung und stehen für einen eigenständigen deutschen Schaumweinstil fernab industrieller Cuvées. Grauburgunder und Chardonnay ergänzen das Spektrum auf kleiner Fläche. Wer trockene Mineralität mit Tiefe sucht – vom zugänglichen Gutswein bis zur lagerfähigen Großen Lage –, findet in Deidesheim einen Maßstab für das, was die Mittelhaardt leisten kann.