Von Istrien ins Collio: Eine Winzerdynastie findet ihre Heimat
Die Weingeschichte der Familie Felluga reicht bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, als Ururgrossvater Michele in Istrien mit dem Weinhandel begann. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Familie all ihre Besitzungen in Istrien und siedelte vollständig ins Friaul über — ein Neuanfang, der das Collio für immer prägen sollte. Giovanni Felluga hatte bereits 1938 einen Betrieb in Gradisca d'Isonzo eröffnet; sein Sohn Marco, ausgebildet an der renommierten Önologieschule von Conegliano, gründete 1956 das Weingut, das seinen Namen trägt. Gemeinsam mit seinem Bruder Livio gehört Marco Felluga zu den Pionieren, die das Collio als eigenständige Weinregion auf die internationale Landkarte setzten — und 1968 massgeblich zur Etablierung der Collio DOC beitrugen. 1967 erwarb Marco Felluga zudem das Gut Russiz Superiore in Capriva del Friuli, einen historischen Cru mit über 700-jähriger Geschichte, der seitdem zum Familienbesitz gehört. Marcos Sohn Roberto führte beide Häuser in fünfter Generation weiter, bis er 2021 verstarb. Heute leitet Ilaria Felluga, Robertos Tochter und sechste Generation der Familie, das Weingut mit rund 100 Hektar Rebfläche.
Nachhaltig im Weinberg, präzise im Keller
Die Weinberge verteilen sich auf vier Lagen im Collio: Farra d'Isonzo, San Floriano del Collio, Oslavia und Cormòns — auf Höhen zwischen 80 und 250 Metern. Der Boden ist der typische Ponca, ein eozäner Flysch aus Sandstein und Mergel, der einst Meeresgrund war. Er speichert Wärme, gibt Wasser schnell ab und liefert den Weinen ihre charakteristische Mineralität. Die Adria sorgt für ausreichend Feuchtigkeit, die Voralpen schützen vor extremen Temperaturen; warme Frühlingstage mit kühlen Nächten verlangsamen die Reife und bauen Aromatik auf. Roberto Felluga hat Nachhaltigkeit als Leitprinzip im Betrieb verankert: Das Weingut ist nach dem italienischen VIVA-Standard zertifiziert und setzt auf integrierten Pflanzenschutz, Ozon und natürliche Düngemittel statt auf chemische Inputs. Die Photovoltaikanlage des Schwesterbetriebs Russiz Superiore macht die Produktion dort energieautark. Im Keller steht schonende Verarbeitung im Vordergrund, verbunden mit gezieltem Einsatz moderner Technik — eine Haltung, die Ilaria Felluga heute weiterführt.
Weisse Tiefe und rote Substanz: das Sortiment im Überblick
Das Herzstück des Sortiments sind die Weissweine — und das war schon zu Zeiten des Gründers so. Auf den Ponca-Böden des Collio wachsen Friulano, Pinot Grigio, Pinot Bianco, Ribolla Gialla, Sauvignon Blanc und Chardonnay. Der Mongris Pinot Grigio Collio DOC gilt als Hausklassiker: mineralisch, von klarer Säurestruktur und mit dem Potenzial, sich im Keller weiterzuentwickeln — damals wie heute ein Beleg dafür, dass Friulaner Weissweine Reife vertragen. Der Molamatta Bianco — eine Cuvée aus Friulano, Pinot Bianco und Ribolla Gialla — zeigt, wozu das Collio bei einer Mehrsortenassemblage fähig ist. Daneben stehen der Amani Friulano und der Sauvignon Blanc vom Ronco del Gelso für die aromatische Bandbreite der Region. Auf der roten Seite ergänzen Merlot (Varneri), Cabernet Sauvignon (Marnasco) und weitere Cuvées das Bild — gewachsen auf denselben Hügeln, ausgebaut mit demselben Anspruch an Struktur und Länge. Wer Marco Felluga im Glas hat, hält sechs Generationen Weinbaugeschichte in der Hand — und einen Wein, der Geduld belohnt.