Von Istrien ins Herz des Collio: sechs Generationen Familie Felluga
Die Wurzeln von Russiz Superiore reichen tiefer als die Geschichte des Weinguts selbst. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Familie Felluga mit dem Weinbau verbunden: Michele Felluga begann in Istrien, damals Teil des Österreichisch-Ungarischen Kaiserreichs, mit dem Kauf und Verkauf von Weinen. Sein Sohn Marco ergänzte den Handel um den eigenen Anbau, und Enkel Giovanni eröffnete 1938 einen Keller in der Festungsstadt Gradisca d'Isonzo im Collio. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Istrien jugoslawisch wurde und die Familie ihr Gut verlor, verlagerte sich alles endgültig ins Friaul.
1956 gründete Marco Felluga — einer von sieben Söhnen Giovannis — das Weingut unter seinem Namen. Elf Jahre später, 1967, erwarb er das Gut Russiz Superiore in Capriva del Friuli: ein Anwesen, dessen Name bereits 1273 urkundlich belegt ist, als Raimondo della Torre, Patriarch von Aquileia, die erhöhte Lage der Hügel beschrieb. Das Wappentier des Guts, der Doppeladler, erinnert noch heute an die Torre-Tasso-Fürsten, die hier über Jahrhunderte herrschten. Heute führt Ilaria Felluga als sechste Generation beide Häuser — Marco Felluga und Russiz Superiore — gemeinsam weiter, seit 2024 gestützt durch eine Partnerschaft mit den Tommasi Family Estates aus der Valpolicella.
Ponca-Böden, Handlese und das Streben nach Langlebigkeit
Das Gut umfasst rund 100 Hektar in Capriva del Friuli, etwa 50 davon bestockt mit Reben. Der entscheidende Faktor für den Weincharakter liegt im Boden: die sogenannte Ponca, ein eozäner Wechsel aus Sandstein, Mergel, Kalkstein und Tonschichten, die einst Meeressediment waren. Das Material ist wasserundurchlässig — Regenwasser läuft ab, Erosion bleibt minimal, Staunässe ist ausgeschlossen. Kombiniert mit der mikroklimatischen Lage zwischen Adriaküste (rund 30 Kilometer) und dem Schutzwall der Julischen Voralpen entsteht ein mediterranes Klima mit natürlicher Frische, das Mineralität und Säurestruktur in die Trauben bringt.
Die Weinberge werden nach integrierten Anbaumethoden bewirtschaftet und sind SQNPI- sowie VIVA-zertifiziert. Die Lese erfolgt ausschließlich von Hand. Im Weinberg arbeitet man seit Roberto Felluga, der fünften Generation, mit dem Bigot-Index — einer wissenschaftlichen Methode, die neun vitikulturwissenschaftliche Parameter zur Bewertung des qualitativen Potenzials einzelner Parzellen heranzieht. Dieser parzellenbasierte Ansatz, der an Burgund und das Elsass erinnert, ist das Fundament des Qualitätsanspruchs.
Weiße Substanz und rote Tiefe: das Sortiment im Überblick
Russiz Superiore ist vor allem als Weißweinhaus bekannt — eine Konsequenz aus Boden und Klima. Friulano, Pinot Bianco, Pinot Grigio und Sauvignon Blanc stehen für sortentypische Klarheit und eine prägnante Mineralität, die der Ponca-Boden prägt. Flaggschiff der Weißen ist der Col Disôre Bianco, eine Cuvée aus Pinot Bianco, Friulano, Sauvignon und Ribolla Gialla — benannt nach dem friaulischen Toponym für den Hügel, auf dem die ältesten Reben stehen. Die Weine sind auf Reifepotenzial ausgelegt: Mit zunehmender Flaschenzeit entwickeln sie reife Frucht und mineralische Komplexität.
Daneben produziert das Gut überzeugende Rotweine: Merlot und Cabernet Franc aus dem Collio sowie die Riserva degli Orzoni, ein Rotwein, der die Lagerfähigkeit des Guts auf roter Seite belegt. Das gesamte Sortiment kommt ausschließlich aus eigenem Anbau — kein zugekauftes Traubenmaterial, keine externe Aufbesserung. Was im Glas landet, kommt von diesen Hügeln und keinem anderen Ort.