Von Rivignano in die Hügel von Corno di Rosazzo — vier Generationen Collavini
Die Geschichte des Weinguts beginnt 1896 in Rivignano, einer Gemeinde in der Provinz Udine: Eugenio Collavini versorgte dort lokale Läden und die Adelsfamilien der Region mit Wein. Sein Sohn Giovanni führte den Betrieb durch beide Weltkriege. Den entscheidenden Schritt machte die dritte Generation: Manlio Collavini verlegte den Firmensitz in die Hügellagen von Corno di Rosazzo und bezog dabei eine befestigte Villa aus dem 16. Jahrhundert — die Villa Zucco-Cuccagna — als neues Herzstück des Weinguts. Von dort aus lassen sich auf einen Blick die Lagen von Rosazzo, dem Collio, Ruttars und Cormons überblicken. Heute leiten Manlios Söhne Giovanni und Luigi das Weingut, das nun in vierter Generation Friulaner Weinbau betreibt.
Pionierarbeit im Keller und auf dem Markt
Manlio Collavini prägte nicht nur den Betrieb, sondern eine ganze Region. Er gehörte zu den ersten Erzeugern, die Pinot Grigio als Weißwein vinifizierten — zu einer Zeit, als die Sorte in Friaul noch als kupferfarbener Wein in dunklen Flaschen ausgebaut wurde, beeinflusst vom österreichischen Kellertradition. Manlio füllte seinen Il Grigio in transparente Bordeaux-Flaschen, um die helle, klare Farbe des Weins sichtbar zu machen, und setzte damit einen Standard für die gesamte Region. 1971 folgte der erste Schaumwein aus Pinot Grigio. Noch prägender wurde das, was am Ende der 1970er-Jahre folgte: Manlio widmete 4,5 Hektar der autochthonen Sorte Ribolla Gialla und entwickelte mit dem sogenannten Collavini-Verfahren eine eigene Methode zur Schaumweinbereitung — eine Kombination aus klassischer Flaschengärung und dem Martinotti-Charmat-Verfahren. Heute bewirtschaftet die Familie über 170 Hektar Rebfläche in den beiden renommiertesten DOC-Lagen der Region: dem Collio und dem Friuli Colli Orientali.
Der Boden beider Appellationen ist von Ponca geprägt — abwechselnde Schichten aus Mergel und Sandstein marinen Ursprungs, die den Weinen Salzigkeit und eine dezente Mineralität mitgeben. Das Klima ist vom Zusammenspiel zweier Kräfte bestimmt: Die kalte Bora aus dem Norden bewahrt die natürliche Säure, warme Südwinde vom Adriatischen Meer bringen Reife und Volumen.
Weiße Leitsorte, friaulische Tiefe — das Sortiment von Collavini
Das Sortiment spiegelt die Überzeugung wider, dass in Friaul die Weißweine das sagen haben. Ribolla Gialla steht dabei im Mittelpunkt: als stilles Turian aus dem historischen Weinberg am Rosazzo-Hügel — nahe der gleichnamigen Abtei, wo Benediktinermönche die Sorte bereits im späten 13. Jahrhundert kultivierten — und als lebendiger Schaumwein Ribolla Gialla Brut nach dem Collavini-Verfahren. Daneben steht Broy als Weißcuvée des Hauses, in der Friulano, Chardonnay und Sauvignon Blanc die Charakteristik des Collio gebündelt zeigen. Der Villa Canlungo Pinot Grigio und der Sauvignon Blancfumat stehen für Sorten, deren Ausdrucksstärke hier auf Schiefer und Mergel eine klare, salzige Linie bekommt. Was die Weine von Collavini verbindet: wenig bis kein Holzeinfluss, dafür der unmittelbare Ausdruck des Terroirs — frisch, präzise, mit erkennbarer Herkunft aus dem nordöstlichen Zipfel Italiens.