Von der Landwirtschaft zur Legende: Giorgio Lungarottis Pionierarbeit in Torgiano
Die Lungarotti-Familie bewirtschaftete schon vor Generationen Weinberge und Olivenhaine im mittleren Tibertal. Den entscheidenden Sprung machte Giorgio Lungarotti: Nach dem Zweiten Weltkrieg verwandelte er den Familienbetrieb in Torgiano — südlich von Perugia, zwischen Assisi und dem Tiber — in ein modernes Weingut. 1962 begründete er die Cantina Lungarotti als eigenständiges Unternehmen. Zwei Jahre später, 1964, füllte er erstmals den Rubesco Riserva Vigna Monticchio ab — einen sortenreinen Sangiovese aus dem Cru-Weinberg Monticchio, dessen Ton-Sand-Böden und ideale Hanglage Giorgio früh als besonderes Terroir erkannt hatte. Dieser Wein gilt bis heute als einer der besten italienischen Roten. Sein Engagement trug maßgeblich dazu bei, dass Torgiano die erste DOC-Appellation Umbriens erhielt; 1990 folgte die Erhebung zur DOCG für den Torgiano Rosso Riserva. Nach Giorgios Tod im Jahr 1999 übernahmen seine Töchter Chiara Lungarotti und Teresa Severini die Leitung des Weinguts — unterstützt von ihrer Mutter Maria Grazia Marchetti Lungarotti, die die Lungarotti-Stiftung führt. Heute ist bereits die dritte Generation der Familie aktiv im Betrieb.
Zum Weingut gehört seit 1974 das Museo del Vino in Torgiano mit über 3.000 Ausstellungsstücken, das jährlich mehr als 10.000 Besucher anzieht, sowie ein Museum zu Olivenöl und Olivenanbau. Das Fünf-Sterne-Relais Le Tre Vaselle mit Gourmetrestaurant und Spa rundet das kulturelle Angebot am Stammsitz ab.
Nachhaltigkeit als dokumentiertes Programm, nicht als Versprechen
Lungarotti bewirtschaftet heute insgesamt 250 Hektar Rebfläche: 230 Hektar in Torgiano und 20 Hektar in Montefalco. Beide Betriebe verfolgen konsequent eine Philosophie der Nachhaltigkeit und Biodiversität. In Torgiano verzichtet man auf chemische Dünger, setzt stattdessen auf Gründüngung und erhält kleine Waldstücke zwischen den Rebzeilen, um die Artenvielfalt zu fördern. Im Keller wird das bei der Gärung und Kühlung anfallende Wasser aufgefangen, gereinigt und wiederverwendet. 2018 erhielt das Weingut als erstes in Umbrien und als neuntes in ganz Italien das VIVA-Zertifikat des italienischen Umweltministeriums, das alle vier Nachhaltigkeitsindikatoren abdeckt: Carbon Footprint, Water Footprint, Weinberg und Territorium. Das Gut in Montefalco wird seit 2010 biologisch bewirtschaftet und ist seit 2014 biozertifiziert. Darüber hinaus ist Lungarotti seit 2013 Teil des MeteoWine-Projekts der Universität Perugia, das Klimadaten für den Weinbau auswertet.
Sangiovese, Sagrantino, Grechetto: das Terroir Umbriens im Glas
Das Sortiment spiegelt die Breite Umbriens wider. Im Mittelpunkt stehen einheimische Rebsorten: Sangiovese für die Rotweine aus Torgiano, Sagrantino für die Weine aus Montefalco, Grechetto und Trebbiano für die Weißen. Daneben baute Giorgio Lungarotti bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren internationale Sorten wie Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Merlot in Umbrien ein — heute fester Bestandteil des Programms. Der Lungarotti Brut Rosé Spumante entsteht nach der klassischen Flaschengärung (Metodo Classico); der Aurente Chardonnay reift im Holzfass zu einem der komplexesten Weißweine der Region. Mit dem Dulcis steht ein Vino Liquoroso im Angebot, der die süße Seite Umbriens zeigt. Beratender Önologe ist Lorenzo Landi, der die technische Linie des Hauses prägt. Verarbeitet werden ausschließlich Trauben aus eigenen Weinbergen — das garantiert durchgehende Kontrolle vom Rebschnitt bis zur Abfüllung.