Von Albert Heitlinger zum größten Bio-Weingut Deutschlands
Östringen-Tiefenbach im nördlichen Baden: Hier gründete Albert Heitlinger 1960 das Weingut, das heute zu den prägenden Adressen des deutschen Weinbaus zählt. Seit 2009 stehen Heitlinger und das Schwesterweingut Burg Ravensburg unter gemeinsamer Führung – als eine GmbH, aber weinrechtlich weiterhin eigenständige Betriebe. Eigentümer Heinz Heiler, seine Tochter Christine Jacklin und deren Familie haben aus diesem Zusammenschluss eine der bemerkenswertesten Weinadressen Deutschlands geformt. Zusammen bewirtschaften die beiden Häuser über 110 Hektar Rebfläche und gehören damit zu den größten ökologisch arbeitenden Weinproduzenten des Landes. Die nächste Generation ist längst angekommen: Patrick und Philip Jacklin treiben Qualität und Bekanntheit des Kraichgaus mit klarem Ziel voran.
Biodynamie als Haltung – nicht als Marketing-Versprechen
Ab 2010 stellte das Weingut seine Flächen auf biologisch-biodynamische Wirtschaftsweise um, ab 2014 wurden biodynamische Prinzipien konsequent ausgebaut: eigene Kompostwirtschaft, biodynamische Präparate, Kräutertees zur Stimulierung der Bodenbiologie, Mondkalender für Rebschnitt und Ernte. Seit 2016 kommt der sogenannte sanfte Rebschnitt hinzu. Seit 2023 bzw. 2024 tragen beide Weingüter das Demeter-Zertifikat – die strenge Demeter-Zertifizierung ist damit Bestätigung einer bereits lang gelebten Praxis, kein Neuanfang.
Im Weinberg gilt strikte Handlese, ohne Ausnahme – auch für die Gutsweine. Geschäftsführer Claus Burmeister und Kellermeister Daniel Rupp setzen im Keller auf Spontangärung und kurze Wege, um die Identität des Terroirs unverfälscht ins Glas zu bringen. Mehr als die Hälfte der Weinbergsflächen ist als VDP.GROSSE LAGE klassifiziert – darunter Schellenbrunnen, Eichelberg, Spiegelberg, Heinberg, Königsbecher und Wormsberg, allesamt auf den Südhängen der Kraichgauer Hügel.
Kalkstein, Burgunder, Riesling – der Stil der Kraichgauer Lagen
Bereits die Zisterzienser erkannten im 12. Jahrhundert die Eignung der kalkhaltigen Hügel des Kraichgaus für Burgunder-Reben. Über 80 Prozent der Heitlinger-Rebflächen sind heute mit Pinot-Sorten bestockt: Pinot Noir, Pinot Blanc, Pinot Gris, Auxerrois und Chardonnay – Sorten, die auf den kalkreichen Sedimentböden zwischen Tiefenbach, Eichelberg, Odenheim und Hilsbach ihre burgundische Prägung entfalten, ohne die kühle Eigenständigkeit des Kraichgaus zu verlieren. Ergänzt wird das Sortiment durch einen charakterstarken Riesling, der auf diesen Böden saftig und klar ausfällt. Der Blanc de Noir, aus der im Kraichgau beheimateten Schwarzriesling-Traube (Pinot Meunier) vinifiziert, steht für die regionale Besonderheit des Hauses.
Seit 2012 ist Heitlinger Mitglied im VDP, dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter. Die Weine werden in über 40 Länder vermarktet. Wer einen Heitlinger öffnet, bekommt keine internationalen Stilweine – sondern Flaschen, hinter denen Lage, Boden und biodynamisches Handwerk ablesbar stehen.