Seit 1251 in den Hügeln des Kraichgau
Das Weingut Burg Ravensburg in Sulzfeld ist urkundlich seit 1251 belegt — damit zählt es zu den ältesten Weingütern Deutschlands und Badens ältestem überhaupt. Die weithin sichtbare Höhenburg über dem Kraichgau war einstmals Stammsitz der Freiherren Göler von Ravensburg, und rund um den Burgberg wächst bis heute, was den Betrieb ausmacht: Riesling und Lemberger auf mineralreichem Gipskeuper. Bis 2009 bewirtschaftete die Erbengemeinschaft der Freiherren von Göler das Gut; danach übernahm Unternehmer Heinz Heiler und führte es mit dem nahegelegenen Weingut Heitlinger zusammen. Geschäftsführer Claus Burmeister, der auf dem Weingut aufgewachsen ist und dessen Vater Hubertus das Gut bis 1995 leitete, steht seither an der Spitze des Betriebs. Der HENRIS Weinguide 2026 zeichnete ihn als „Weingutsleiter des Jahres" aus — beide Güter erhielten dabei die Höchstwertung von fünf schwarzen Trauben.
Biodynamie als Haltung, nicht als Zertifikat
Unter Claus Burmeisters Leitung wurde der gesamte Betrieb konsequent auf biologisch-dynamischen Weinbau umgestellt und nach Demeter zertifiziert. Was das in der Praxis bedeutet: Rebschnitt, Bodenpflege und die ausschließlich händische Lese richten sich nach Mondphasen, Biokompost aus eigenem Haus ersetzt synthetische Dünger, und Schafe übernehmen die Begrünung zwischen den Rebzeilen. Gleichzeitig setzt das Team auf gezielte technische Ergänzungen — etwa Drohnen für den witterungsunabhängigen Pflanzenschutz auch bei nassen Böden. Im 2012 neu gebauten Keller in Tiefenbach, zehn Kilometer von der Burg entfernt, verantwortet Kellermeister Daniel Rupp den Ausbau; Jürgen Kern ergänzt das önologische Team. Seit 2012 ist Burg Ravensburg Mitglied im VDP.
Der Gipskeuper — über 230 Millionen Jahre altes Gestein — prägt die drei Monopollagen Husarenkappe, Dicker Franz und Löchle, die alle vollständig im Besitz des Weinguts sind und unmittelbar um den Burgberg liegen. Das Klima des Kraichgaus, zwischen Odenwald und Schwarzwald, ist für Baden vergleichsweise kühl und kontinental geprägt — ein entscheidender Faktor für die Frische und Säurestruktur der Weine.
Riesling im Vordergrund, Lemberger mit Nachdruck
Baden gilt als Burgunder-Land — Burg Ravensburg ist die Ausnahme. Riesling dominiert das Sortiment, ergänzt von Lemberger (Blaufränkisch), Grauburgunder, Weißburgunder und Spätburgunder. Alle Weine werden trocken ausgebaut; Lagenweine aus den drei Großen Lagen bilden das Herzstück des Angebots, klassifiziert nach dem mehrstufigen VDP-System. Der Husarenkappe-Riesling GG zeigt, was Gipskeuper und kühle Kraichgauer Nächte leisten: klare Säurestruktur, mineralische Dichte, langer Abgang. Der Dicker Franz Blaufränkisch GG — mehrfach unter den 30 besten Rotweinen Deutschlands gelistet — bringt die dunkle Frucht und Würze des Lemberger mit Tiefe und Entwicklungspotenzial ins Glas. Trinktemperatur: Riesling 10–12 °C, Lemberger 16–18 °C.