Aus dem Dauphiné in die ganze Welt: die Geschichte einer Winzerunion
Der Name Cellier des Dauphins ist kein Zufall: Er verweist auf das historische Dauphiné, jene südostfranzösische Region, die einst den Kronprinzen Frankreichs – den Dauphin – als Lehen gehörte. Gegründet 1965 in Tulette, im Herzen des Côtes-du-Rhône-Anbaugebiets, entstand das Projekt aus einem einfachen, aber wirkungsvollen Impuls: Eine Gruppe von Winzerinnen und Winzern wollte ihre Kräfte bündeln, um die Früchte ihrer Böden gemeinsam zu vermarkten und weiterzuentwickeln. Was als Union weniger Kooperativen aus der Drôme begann, ist heute die größte Winzervereinigung im Rhône-Tal – offiziell bekannt als Union des Vignerons des Côtes du Rhône. Heute gehören 13 Mitgliedskooperativen zur Union, die rund 2.300 Winzerfamilien repräsentieren. Ihren Sitz hat die Vereinigung nach wie vor in Tulette, wo auch die Abfüllanlage und die Verwaltung untergebracht sind.
Kollektive Verantwortung: Weinbau, Keller und Umwelt
Cellier des Dauphins bewirtschaftet mit seinen Mitgliedsbetrieben rund 12.500 Hektar Weinberge, die sich vom südöstlichen Rhône-Tal bis an den Fuß des Mont Ventoux erstrecken. Die Lagen wachsen auf einer Vielfalt von Böden – Sand, Kalkstein und alluviale Schichten –, geformt durch den Mistral und eine intensive Südfrankreich-Sonne. Vinifiziert wird dezentral in den einzelnen Mitgliedskellern; Abfüllung und Qualitätskontrolle laufen zentral über Tulette.
Beim Thema Nachhaltigkeit hat die Union früh Flagge gezeigt: Seit 2009 war Cellier des Dauphins die erste Marke der Côtes du Rhône, die eine AOC-Linie aus zertifiziert biologisch bewirtschafteten Reben anbot. Inzwischen sind über 1.350 Hektar der Weinberge auf ökologischen Landbau umgestellt – das ist der größte zusammenhängende Biorebflächen-Verbund im Rhône-Tal. Das Kellerei-Team begleitet jede Umstellung aktiv: Drei Jahre technische und finanzielle Unterstützung während der Konversionsphase sind Standard. Parallel dazu hat die Union ihren ökologischen Fußabdruck im Keller reduziert: leichtere Flaschen, FSC-zertifiziertes Papier, pflanzliche Druckfarben auf den Etiketten, Solarstrom und eine Recyclingquote von bis zu 90 %. 2020 gewann Cellier des Dauphins den ersten Eco-Design-Wettbewerb der französischen Recyclingagentur Adelphe – ein Beleg dafür, dass Verpackungsdenken hier nicht Kosmetik ist, sondern Teil der Unternehmensphilosophie.
Grenache, Viognier und der Charakter des südlichen Rhône-Tals
Das Sortiment umfasst Rot-, Weiß- und Roséweine über rund zwanzig Appellationen – von der Basis-Côtes-du-Rhône bis zu Cru-Weinen aus Dörfern wie Vinsobres oder Cairanne. Im Keller setzt Cellier des Dauphins auf einen modernen, fruchtbetonten Stil: Im Vordergrund stehen Frische, Zugänglichkeit und der klare Ausdruck der Lage, nicht Gewicht oder Extraktion. Für die Rotweine bilden Grenache, Syrah und Mourvèdre das Rückgrat – ergänzt um Carignan und Cinsault, die Textur und Würze beisteuern. Bei den Weißweinen spielt Viognier eine zentrale Rolle: Die Sorte bringt in diesem Klima ihre typische Blumigkeit und Fülle besonders deutlich zum Ausdruck. Die Trauben werden teils nachts oder in den frühen Morgenstunden geerntet, um Frische zu sichern; die Vinifikation auf der Hefe unterstützt Tiefe und Struktur. Mit Weinen, die in rund fünfzig Ländern vertrieben werden und jährlich mehr als 40 Millionen Flaschen umfassen, ist Cellier des Dauphins nicht nur der größte, sondern auch einer der bekanntesten Botschafter der Côtes du Rhône weltweit.