Gegründet mit einem klaren Anspruch: Radda so gut wie möglich
Castello di Radda entstand 2003 – nicht aus einer langen Familientradition heraus, sondern aus einer bewussten Entscheidung. Die Familie Beretta, Eigentümer der Agricole Gussalli Beretta Gruppe, wählte Radda in Chianti als Standort, weil sie genau hier das Potenzial für außergewöhnlichen Sangiovese erkannte. Das Gebäude selbst ist kein historisches Schloss, sondern ein vom Architekten Spartaco Mori entworfener Bau aus hellem toskanischem Naturstein – modern in der Anlage, aber tief im Landschaftsbild verwurzelt. Der Keller wurde in den harten Fels von Radda gegraben: natürlich kühl, ohne technische Klimatisierung, mit minimalem sichtbarem Fußabdruck an der Oberfläche.
Radda in Chianti ist eine der neun Gemeinden der DOCG und gilt als eine der kühlsten Lagen des gesamten Anbaugebiets. Das kontinentale Klima mit erheblichen Tag-Nacht-Temperaturschwankungen, die tonarmen, kalk- und steinreichen Böden und die Hanglage zwischen 350 und 450 Metern Höhe prägen den Charakter der Weine von Anfang an.
Biozertifiziert, handwerklich, ohne Umwege
2017 begann Castello di Radda mit der Umstellung auf ökologischen Landbau; 2020 war der gesamte Betrieb mit seinen 40 Hektar Rebfläche vollständig biozertifiziert. Seither werden alle Weinberge – aufgeteilt auf Lagen in Radda und in Gaiole in Chianti (Vertine) – ohne synthetische Mittel bewirtschaftet. Niedrige Erträge, konsequente Handlese, parzellenscharfe Vinifizierung: Jede Parzelle wird separat ausgebaut und bleibt bis zur Assemblage getrennt, damit die Handschrift jedes Einzelstücks erhalten bleibt.
Im Keller setzt das Haus auf lange, schonende Maischegärung in Stahltanks – die Mazerationsphasen dauern bis zu einem Monat. Gereift wird in großen Holzfässern von bis zu 60 Hektoliter sowie in 500-Liter-Tonneaux; internationale Barriques sucht man vergebens. Auf weichmachende internationale Rebsorten wie Merlot oder Cabernet verzichten die Chianti Classico des Hauses konsequent, obwohl die DOCG-Vorschriften bis zu 20 Prozent Fremdrebsorten erlauben würden. Neben dem dominierenden Sangiovese kommen allenfalls die autochthonen Sorten Canaiolo und Colorino zum Einsatz.
Sangiovese, der nach Radda schmeckt
Das Sortiment reicht vom Chianti Classico DOCG über die Riserva bis zur Gran Selezione Vigna il Corno – der Einzellagenwein von der namensgebenden Parzelle. Dazu kommen der Granbruno als IGT-Cuvée, ein Rosato aus Sangiovese sowie ein Vin Santo Occhio di Pernice. Die Weine teilen eine gemeinsame Stilistik: lebendige Säure, feinkörnige Tannine, florale und würzige Aromen, die klar nach Sangiovese und nach dem kühlen Radda-Terroir klingen – keine internationale Gefälligkeit, sondern Herkunft, die sich im Glas zeigt. Trinktemperatur: 16–18 °C. Die Chianti Classico passen zu Bistecca alla Fiorentina, Wildschweinsauce auf breiten Nudeln, gereiftem Pecorino oder einem kräftigen Tomatensugo mit toskanischen Kräutern.