Seit 1761: Bartolomeo Borgogno und der Ursprung des Barolo
Bartolomeo Borgogno gründete den Keller im Jahr 1761 — und legte damit den Grundstein für das älteste kontinuierlich betriebene Weingut Barolos. Was heute wie eine Legende klingt, ist durch Dokumente belegt: Der erste kommerzielle Weinverkauf des Hauses ist auf den 19. Dezember 1848 datiert. Schon 1861, im Jahr der italienischen Einigung, wählte man Borgognos Barolo für das offizielle Festmahl; 1886 traf dieselbe Wahl für ein Staatsbankett zu Ehren von Zar Nikolaus II. auf Schloss Racconigi. In den frühen 1900er-Jahren baute Cesare Borgogno die ersten Exportmärkte auf — nach Südamerika und in die Vereinigten Staaten — und begann, ausgewählte Jahrgänge systematisch im Keller einzulagern. Nach Cesares Tod übernahmen seine Enkelin Ida und ihr Mann Franco Boschis das Weingut; später führten deren Söhne Cesare und Giorgio Boschis das Unternehmen weiter. 2008 erwarb die Familie Farinetti — bekannt als Gründer von Eataly — das Haus und verpflichtete sich ausdrücklich, die tradierte Weinphilosophie fortzuführen. Seit 2010 leitet Andrea Farinetti das Weingut.
Spontangärung, große Holzfässer, Geduld: die Kellermaxime von Borgogno
Wer den Keller in der Ortschaft Barolo betritt, sieht die originalen Betonfermentationstanks noch an ihrem angestammten Platz — Andrea Farinetti ließ sie nach der Übernahme wieder in Betrieb nehmen, nachdem sie vorübergehend durch Edelstahltanks ersetzt worden waren. Das Verfahren selbst hat sich seit der Gründung nicht verändert: spontane Vergärung mit Naturhefen, lange Maischekontakt, danach ausschließliche Reifung in großen Fässern aus slawonischer Eiche. Beim klassischen Barolo vergehen mindestens drei Jahre im Holzfass und zwei weitere in der Flasche, bevor die Weine das Haus verlassen. Hinzu kommt eine Kellerbibliothek, die zu den wenigen ihrer Art im Piemont zählt: Ausgewählte Jahrgänge werden über Jahrzehnte im historischen Gewölbe archiviert.
Im Weinberg arbeitet Borgogno seit dem Erntejahr 2019 vollständig zertifiziert biologisch — ohne Herbizide, ohne chemische Düngemittel, ausschließlich mit umweltverträglichen Behandlungen. Alte Rebstöcke werden durch Massenselektionierung erhalten, um den genetischen Reichtum der Langsam-Langen Langhe zu bewahren. Die Flächen verteilen sich auf mehrere Lagen in und um Barolo sowie auf die Colli Tortonesi.
Fünf Crus, ein Stil: Nebbiolo als Gradmesser
Borgognos Sortiment dreht sich um Nebbiolo und damit um Barolo. Der klassische Barolo ist eine Assemblage aus allen fünf historischen Lagen des Gutes — Cannubi, Liste, Fossati, Cannubi San Lorenzo und San Pietro delle Viole — und steht stilistisch für das, was traditioneller Barolo sein soll: dichte Tanninstruktur, lebendige Säure, Aromen von Schwarzkirsche, Anis und Veilchen, langer Abgang. Einzellagenflaschen aus Fossati und Liste sowie die Riserva-Linie vertiefen dieses Bild; die Cannubi-Parzelle mit ihren sandigen Kalkmergelböden bringt besonders filigrane, aromatisch präzise Weine hervor.
Neben dem Barolo umfasst das Angebot Barbera d'Alba, Langhe Nebbiolo sowie den „No Name" — ein Langhe Nebbiolo DOC, der aus einem Barolo-Jahrgang entstand, den die Kontrollbehörde nicht anerkannte, und der zwei Jahre im slawonischen Eichenfass reift. Mit den Weinen aus dem Colli Tortonesi, darunter Derthona aus der autochthonen Rebsorte Timorasso, erweitert Borgogno sein Spektrum in Richtung Weisswein. Das Bianco „Era Ora" aus dem Vinoscout-Sortiment steht für diese neue, trotzdem bodenverwurzelte Seite des Hauses. Zu den Nebbiolo-basierten Weinen empfiehlt sich klassische piemontesische Küche: geschmorte Fleischgerichte, Wildbraten, Tartufo d'Alba.