Von der Florentiner Tradition in die apulische Murgia
Die Marchesi Antinori zählen zu den ältesten Winzerfamilien Italiens — ihre Geschichte im Weinbau reicht über 26 Generationen zurück. Im Jahr 1998 entschied sich Piero Antinori, das Engagement der Familie nach Süditalien auszuweiten, und erwarb die Tenuta Bocca di Lupo im Herzen der DOC Castel del Monte, nahe Minervino Murge in der nördlichen Murgia. Zu einer Zeit, als Apulien noch fast ausschließlich für Massenwein bekannt war und die wenigsten Weine der Region das Niveau einer kontrollierten Herkunftsbezeichnung erreichten, war das eine klare Wette auf das qualitative Potenzial einer lange unterschätzten Landschaft. Der Name „Bocca di Lupo" — wörtlich „Wolfsrachen", idiomatisch „Glück" im Italienischen — steht seitdem für diesen Aufbruch.
Die Kellerei, heute eigenständige Einheit innerhalb der Tormaresca-Gruppe, wird von Renzo Cotarella geleitet, der als Önologe und CEO die stilistische Handschrift der Weine prägt. Was als Erkundungsprojekt begann, hat die Weinlandschaft der Region sichtbar mitgeformt: Apulien besitzt heute mehrere DOCG-Appellationen, und Böden wie die um Castel del Monte gelten international als ernstzunehmende Herkunft für Rotweine mit Tiefe und Lagerpotenzial.
Karger Kalkstein, biologischer Anbau, Keller im Felsen
Die rund 140 Hektar Rebflächen der Tenuta liegen auf 250 bis 300 Metern Höhe auf dem Murgia-Plateau. Die Böden sind karg, kalkshaltig und steinreich — typische Mercia-Böden, die die Reben zu tiefem Wurzelwachstum zwingen und die Erträge von Natur aus begrenzen. Die ausgeprägte Thermik zwischen heißen Tagen und kühlen Nächten bewahrt aromatische Präzision und verleiht den Weinen eine für Süditalien ungewöhnliche Frische und Spannung. Die gesamte Produktion erfolgt nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus — alle Weine tragen das Bio-Zertifikat. Im Keller arbeitet das Team mit Bedacht: Die Trauben werden nach optimalem Reifegrad gelesen, die Mazeration dauert rund 15 bis 18 Tage, vergoren wird im Stahltank bei kontrollierten Temperaturen. Die anschließende Reifung findet in französischen Eichenbarriques statt. Die historische Kellerei selbst ist zum Teil direkt in den Tuffstein und Fels gebaut, was natürliche Temperaturkonstanz schafft — von der oberen Ebene aus öffnet sich der Blick über die Murgia bis hin zum Vulkankegel des Vulture.
Autochthone Rebsorten, internationale Klasse
Im Mittelpunkt steht der Aglianico — eine der ältesten roten Rebsorten Süditaliens, die in der Castel del Monte DOC ihre vielleicht konzentrierteste Ausdrucksform findet. Dazu kommen Nero di Troia und Fiano Pugliese als weitere autochthone Sorten des Gebiets. Das Sortiment umfasst außerdem Weine aus Cabernet Sauvignon sowie den Arso Puglia IGT, der auf dem charakteristischen Kalksteinboden der Tenuta entsteht. Die Weine aus Minervino Murge zeigen, was die Murgia zu leisten vermag: dunkle Frucht — Schwarzkirsche, Brombeere, Pflaume — verbunden mit Würze, Tabak und einem Hauch Balsam, getragen von fein strukturierten, reifen Tanninen und einem langen Abgang. Es sind Weine mit Gewicht und gleichzeitig mit Kontur — kraftvoll, aber nie schwer. Zum Tisch passen sie zu geschmortem Wild, Wildschweinstücken mit Pappardelle oder kräftigem Hartkäse aus der Region.