Vom Hotelier zum Winzer: Die Geschichte der Familie Pagano im Cilento
Giuseppe „Peppe" Pagano wuchs mit dem Geruch von Weinbergen auf. Als Kind half er seinem Vater bei der Weinlese und der Kelterarbeit — Erinnerungen, die ihn nie losließen. Dreißig Jahre lang führte er erfolgreiche Hotels in Kampanien, bevor er 2004 den Schritt zurück zur Landwirtschaft wagte: Er kaufte erste Parzellen im Cilento, legte Weinberge an und gründete die Azienda Agricola San Salvatore. Der Name trägt eine doppelte Bedeutung — er ehrt seinen Vater Salvatore und verweist auf das Jahr 1988, in dem Pagano seinen unternehmerischen Lebensweg begann. Das Weingut liegt im Nationalpark Cilento e Vallo di Diano, einem UNESCO-Welterbe südlich von Neapel, auf einem Gesamtbetrieb von 97 Hektar, der sich von den Küstenebenen bei Paestum über die Hügel von Giungano bis auf 650 Meter Höhe ins Bergdorf Stio erstreckt. Dort, wo einst die antiken Griechen siedelten und erstmals Fiano, Greco und Aglianico pflanzten, wachsen heute die Reben von San Salvatore.
Kreislauf statt Kompromiss: Biodynamie, Büffel und Solarstrom
San Salvatore ist EU-bio-zertifiziert und arbeitet konsequent nach biodynamischen Grundsätzen, inspiriert von der Steinerschen Philosophie. Synthetische Pestizide und Herbizide kommen nicht zum Einsatz; stattdessen wird zwischen den Rebzeilen Gründüngung eingesät, um den Boden zu beleben. Was das Gut von den meisten Biobetrieben unterscheidet, ist die konsequente Kreislaufwirtschaft: Eine Herde Wasserbüffel lebt inmitten der Weinberge und liefert über Wirtschaftsdünger und betriebseigene Biogasanlagen den natürlichen Nährstoff- und Energiekreislauf. Der Strom für Keller und Betrieb stammt zusätzlich aus einer großen Photovoltaikanlage. Als Kellermeister und Berater steht Riccardo Cotarella, einer der renommiertesten Önologen Italiens, dem Betrieb zur Seite. Die 42 Hektar Rebfläche verteilen sich auf drei klar unterscheidbare Terroirs: die kalkhaltigen Lehmböden der Küstenebene bei Paestum, die tonig-mineralischen Mittelhänge bei Giungano und die kühlen, windexponierten Berglagen rund um Stio. Meeresbrise und Höhenklima sorgen für gesundes Lesegut ohne chemische Intervention — eine natürliche Voraussetzung, die Pagano selbst als entscheidend für den biologischen Anbau bezeichnet.
Autochthone Rebsorten, drei Terroirs, ein klares Handschrift
Das Sortiment von San Salvatore baut ausschließlich auf kampanische Urrebsorten: Fiano, Greco und Falanghina bei den Weißen, Aglianico bei den Roten. Der Fiano aus den Berglagen von Stio — bekannt unter den Namen Pian di Stio und Pian di Stio Evoluzione — gilt als Flaggschiff des Gutes: Die Höhenlage und die langen Nächte bringen Weine mit straffer Säurestruktur, Salzigkeit und einer Aromatik, die von Zitrusschalen über weißen Pfirsich bis zu mineralischen Noten reicht. Der Greco (Calpazio) zeigt die Fülle und den Duft, den die Küstennähe einbringt. Die Aglianico-Weine — darunter Ceraso, Jungano und der besondere Gillo Dorfles, der dem Kunstkritiker und Cilento-Liebhaber Gillo Dorfles gewidmet ist — kommen mit dunklen Kirsch- und Kräuternoten, kräftiger Tanninstruktur und dem Reifepotenzial, das die Rebsorte auszeichnet. 2023 wurde San Salvatore als eines von damals elf Weingütern weltweit mit dem Green Emblem von Robert Parker für herausragende Nachhaltigkeit ausgezeichnet — eine Anerkennung, die die Philosophie des Hauses auf den Punkt bringt: Weinbau als Verantwortung gegenüber dem Land, das man bewirtschaftet.