Kampaniens älteste Rebsorten, neu in die Flasche gebracht
Vesevo entstand im Jahr 2000 als Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Abruzzesen Haus Farnese Vini — heute unter dem Namen Fantini bekannt — und lokalen Partnern in Kampanien. Der Name ist kein Zufall: Vesevo ist die antike lateinische Bezeichnung für den Vesuv, jenen Vulkan, der die Landschaft und den Weinbau der Region seit Jahrtausenden prägt. Schon die Römer schätzten die Weine vom Fuß des Vesuvs auf den Tafeln der Patrizier — bis katastrophale Ausbrüche die Weinberge für Jahrhunderte zum Verschwinden brachten. Vesevo knüpft bewusst an diese verschüttete Tradition an und bringt kampanische Rebsorten wieder in die internationale Aufmerksamkeit.
Kampanien zählt zu den artenreichsten Weinregionen der Welt, mit mehr als 100 autochthonen Rebsorten. Vesevo konzentriert sich auf genau diese regionalen Charaktersorten — Falanghina, Greco, Fiano und Aglianico — und arbeitet mit rund 60 Hektar Rebfläche auf vulkanischen, mineralreichen Böden. Im Hinterland des Vesuvs, wo Tag-Nacht-Temperaturunterschiede für langsame, aromatisch dichte Reife sorgen, liegen die Grundlagen für das charakteristische Sortiment.
Vulkanboden, lokales Wissen, toskanische Präzision im Keller
Vesevo profitiert von zwei Welten: dem tief verwurzelten Terrain-Wissen lokaler kampanischer Winzer und dem kellertechnischen Know-how der Fantini-Gruppe, die mit ihrem Netzwerk aus mehreren Weingütern quer durch Süd- und Mittelitalien zu den erfahrensten Produzenten des Landes zählt. Begleitet wird die Vinifikation von Alberto Antonini, einem renommierten toskanischen Önologen, der die stilistische Handschrift schärft. Im Keller setzt Vesevo auf moderne Technik, ohne dabei den Charakter der alten Rebsorten zu domestizieren. Beim Taurasi etwa folgt auf eine verlängerte Maischegärung eine Reifung in Eichenholzfässern — dem Appell der DOCG entsprechend, die mindestens drei Jahre Ausbau vorschreibt, davon eines im Holz.
Autochthone Rebsorten, die ihren Ursprung nicht verleugnen
Das Vesevo-Sortiment lässt sich in zwei klare Charakterprofile teilen. Die Weißweine — Falanghina Beneventano und Greco di Tufo DOCG — zeigen, was vulkanischer Tuffboden und mediterrane Sonne aus alten kampanischen Sorten herausholen können: frische Frucht, florale Noten, eine lebendige Säure und der typisch mineralische Unterton, der auf den Tuff- und Lavaböden rund um Avellino zurückgeht. Auf der roten Seite ist der Aglianico Beneventano der zugängliche Einstieg — intensiv in der dunklen Frucht, mit weichen Tanninen und würzigem Abgang. Den Höhepunkt markiert der Taurasi DOCG, Kampaniens bekannteste Rotwein-Appellation, gelegentlich als „Barolo des Südens" bezeichnet: Aglianico von vulkanischen Hängen der Provinz Avellino, mit fester Tanninstruktur, Noten von schwarzer Kirsche, Lakritze und subtiler mineralischer Tiefe, die lange im Gaumen nachhallt. Wer kampanische Weinkultur verstehen will, findet bei Vesevo einen klaren, handwerklich soliden Einstieg — vom frischen Weißwein bis zum ernsthaften Rotwein mit Substanz.