Von der Ölmühle zum Irpinia-Weingut: die Geschichte der Familie Basso
Villa Raiano wurde 1996 von den Brüdern Sabino und Simone Basso gemeinsam mit ihrem Schwager Paolo Sibillo gegründet — als konsequente Erweiterung des Familienbetriebs, der in der Fraktion Raiano der Gemeinde Serino seit Generationen eine Ölmühle betrieb. Die ersten Jahrgänge entstanden noch in den alten Fabrikhallen der Oleificio Basso. 2009 zog das Weingut auf einen Hügel in San Michele di Serino um: ein 3.500 Quadratmeter großer Stahl-Glas-Bau, entworfen von Architektin Annalisa Palmieri, mit Blick über das Sabato-Tal und die umliegenden Kastanienwälder. Der Standortwechsel war programmatisch — von einer regionalen Olivenöl-Tradition hin zu einem der ernsthaftesten Adressen für autochthone Rebsorten in ganz Kampanien.
Ökologischer Weinbau auf 27 Hektar Irpinischer Vielfalt
Villa Raiano bewirtschaftet 27 Hektar Rebfläche, verteilt auf alle drei DOCG-Zonen der Provinz Avellino: Fiano di Avellino, Greco di Tufo und Taurasi. Die Lagen liegen auf unterschiedlichen Höhen und Expositionen — typisch für Irpinia, wo sich Böden, Mikroklima und Höhenlage von Hang zu Hang verändern, die Berge bis auf 1.800 Meter ansteigen und kalte Winter auf heiße, von kühlen Nächten gebrochene Sommer treffen. Seit 2011 sind die Weinberge bio-zertifiziert. Im Keller arbeitet Önologe Fortunato Sebastiano nach dem Prinzip minimaler Eingriffe: Trauben werden per Schwerkraft bewegt, mechanische Pumpen bleiben außen vor. Das tägliche Bâtonnage wurde abgeschafft, um die Weine ungestört auf der Feinhefe ruhen zu lassen. Stahltank, großes Holz und Betonei kommen je nach Rebsorte und Lage zum Einsatz.
Nachhaltigkeit endet nicht im Weinberg: Villa Raiano setzt auf leichtere Flaschen mit reduziertem Glasanteil und niedrige Schwefelgehalte in der Flasche — ein Bekenntnis zu einer Produktion, die den Charakter der Frucht schützt, statt ihn zu überlagern.
Autochthone Rebsorten, zwei Linien, ein Territorium
Das Sortiment gliedert sich in zwei klar getrennte Linien. Die Classic-Linie folgt der irpinischen Tradition und verschneidet Trauben aus verschiedenen Parzellen zu ausgewogenen Gebietscuvées — Fiano di Avellino DOCG, Greco di Tufo DOCG, Falanghina Beneventano IGT und Campania Aglianico IGT. Die Vigne-Linie setzt dagegen auf Einzellagen: Bosco Satrano und Alimata stehen für Fiano di Avellino aus spezifischen Parzellen, Ponte dei Santi und Contrada Marotta für Einzellagen-Greco, Costa Baiano für Aglianico aus Campi Taurasini. Dazu kommt der Taurasi DOCG — der Rotwein der Region, ausgebaut aus Aglianico, das auf einem einzigen Neun-Hektar-Block in Castelfranci wächst. Der Fiano zeigt Birne, Honig und Walnuss mit mineralischem Rückgrat; der Greco bringt Pfirsich, Mandel und eine ausgeprägte vulkanische Mineralität; der Taurasi trägt die kräftige Tanninstruktur, die dem Aglianico in dieser Höhenlage eigen ist. Insgesamt produziert Villa Raiano rund 300.000 Flaschen im Jahr — ausschließlich aus autochthonen Sorten, die diese Ecke des südlichen Apennin seit der Antike prägen.