Von Pulsano in die Welt: Vier Generationen, ein Name
Die Geschichte von Varvaglione 1921 beginnt in der Generation von Angelo und Filomena Varvaglione, die zwischen Pulsano und Leporano an der ionischen Küste südlich von Taranto ihre ersten Reben anlegten. Wein war zunächst Familiensache — geteilt mit Nachbarn, nicht für den Handel bestimmt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wagte die zweite Generation den Schritt in den lokalen Markt und verkaufte vino sfuso, Fasswein, den Käufer mit eigenen Behältern abfüllten. Der eigentliche Wandel kam mit der dritten Generation: Cosimo Varvaglione richtete den Betrieb konsequent auf Qualität aus, zu einer Zeit, als Apuliens Weinbau noch mehrheitlich auf Volumen setzte. Seine Frau Maria Teresa, Betriebswirtin und Unternehmerin, trieb Anfang der 2000er-Jahre die Abfüllung unter dem Markennamen Varvaglione 1921 voran — der Startschuss für den internationalen Durchbruch. Heute leitet Cosimo gemeinsam mit Maria Teresa und den Kindern Marzia, Angelo und Francesca das Weingut in vierter Generation; Marzias Tochter Carlotta steht bereits für die fünfte.
Vom ersten Keller, den Angelo Varvaglione in Leporano baute und der heute als Verkaufspunkt dient, ist das Unternehmen auf drei Güter angewachsen: die historische Masseria Pizzariello, das Weingut Giardinetto und das neu erworbene Casino Nitti in Marina di Lizzano — ein Gehöft aus dem 16. Jahrhundert mit Blick auf das Ionische Meer.
Weinberg, Keller und Verantwortung für das Ionische Meer
Rund 200 Hektar Eigenrebfläche auf dem kalkhaltigen Lehm des Salento bilden die produktive Basis. Die rötliche Erde mit ihren Eisenoxiden entwässert zuverlässig und schützt die Wurzeln vor Staunässe — eine natürliche Voraussetzung für konzentrierte Trauben. Die Trauben werden handgelesen; Önologe Cosimo Varvaglione überwacht Weinbergarbeit, Selektion und Kellerung persönlich. Im Keller verbindet das Team modernste Technik — Temperaturkontrolle, präzise Gärtanks — mit den vinifikatorischen Traditionen des Salento.
Nachhaltigkeit ist kein Marketingbegriff, sondern gelebte Praxis: Varvaglione setzt Drohnen für das präzise Bestandsmanagement ein, unterhält Bienenvölker zur natürlichen Schädlingskontrolle und arbeitet mit der Universität Bari an Bodenschutz und klimaneutraler Bewirtschaftung. Für ausgewählte Flaschen kommen Verschlüsse aus Meereskunststoff-Recyclat (Nomacorc Ocean) zum Einsatz, um Meeresplastik aus Südostasien zu verwerten. Auf dem neu erworbenen Gelände Casino Nitti entsteht zudem ein experimenteller „Vigneto della Biodiversità" mit über 500 seltenen und balkanischen Rebsorten, begleitet von Forscherinnen und Forschern der Universität Mailand und der Unisalento. Für Qualitäts- und Lebensmittelsicherheitsmanagement ist das Weingut nach ISO 9001, ISO 14001, ISO 22000 und ISO 22005 zertifiziert.
Primitivo und Negroamaro — das Salento in der Flasche
Varvaglione setzt auf die autochthonen Rebsorten Apuliens: Primitivo und Negroamaro bilden den Kern, ergänzt durch Susumaniello, Negroamaro, Malvasia Nera und Aglianico bei den Roten sowie Verdeca, Falanghina, Malvasia Bianca und Fiano bei den Weißen. Die Papale-Linie — benannt nach der historischen Contrada Papale, die einst einem apulischen Papst gehörte — steht für die kraftvollsten Primitivo di Manduria-Cuvées aus alten Reben. Die Linie 12 e Mezzo zeigt eine andere Seite: acht Weine mit exakt 12,5 % Alkohol, biologisch zertifiziert, zugänglich im Stil und klar in der Rebsortentypizität — Primitivo, Negroamaro, Rosato und Bianco. Jedes Familienmitglied hat einen eigenen Wein innerhalb dieser Kollektion inspiriert. Mit aktuell rund 4,5 Millionen Flaschen Jahresproduktion gehört Varvaglione 1921 zu den größten familiengeführten Weingütern Apuliens — und zu den am schnellsten wachsenden in Europa.