Vom Rance-Tal in die Welt: die Geschichte einer Kelterei-Genossenschaft
Die Apfelgärten entlang der Rance haben schon lange einen guten Ruf — doch Mitte des 20. Jahrhunderts geriet der Name „Cidre de Pleudihen" unter Druck: Billigproduzenten nutzten ihn, der Absatz brach ein. 1953 beschlossen zwölf Apfelbauern aus Pleudihen-sur-Rance, gemeinsam gegenzusteuern. Sie gründeten die Genossenschaft Les Celliers Associés und schufen damit die Marke Val de Rance — mit dem klaren Ziel, Qualität und Herkunft zu schützen.
Aus diesen zwölf Gründern wurde im Lauf der Jahrzehnte eine der größten cidricolen Kooperativen Frankreichs. Heute zählt die Genossenschaft rund 355 Mitgliedsbetriebe, die gemeinsam über 200 verschiedene Apfelsorten anbauen und jährlich rund 25.000 Tonnen Äpfel liefern. 2013 kam ein zweiter Produktionsstandort in Condé-sur-Vire in der Normandie hinzu — seitdem fließen bretonische und normannische Äpfel gemeinsam in das Sortiment. Val de Rance steht heute in über 70 Ländern in den Regalen, von Japan bis Kanada.
Alte Sorten, klare Handschrift: Philosophie und Kellertechnik
Das Genossenschaftsmodell hat bei Les Celliers Associés konkrete Konsequenzen für die Arbeitsweise: Die Mitgliedsbauern sind an einem verbindlichen Pflichtenheft gebunden, das vollständige Rückverfolgbarkeit vom Verger bis zur Flasche vorschreibt — besonders strikt bei den IGP-zertifizierten Cidres de Bretagne, die ausschließlich aus bretonischen Äpfeln gepresst und auch in der Bretagne abgefüllt werden. Die Genossenschaft setzt gezielt auf agrökologische Methoden: Heckenpflanzungen, Schafe als biologische Unkrautbekämpfung, Nistkästen für insektenfressende Vögel und überlieferte Schnitttechniken zur Krankheitsvorbeugung.
Im Mittelpunkt der Kelterphilosophie steht Maître de Chai Alain Lepage. Er verantwortet die Rezepturen aller Cuvées — von der Sortenwahl über den Pressdruck bis zur Wahl zwischen langsamer Vergärung und Doppelvergärung, je nach angestrebtem Aromaprofil und Restsüße. Die Ernte läuft von September bis Dezember; nach der Auslese in den Betrieben werden die Äpfel angeliefert, gewaschen, gemahlen und rund eine Stunde mazeriert, um die Aromatik zu intensivieren. Durch Zentrifugation werden anschließend die natürlichen Hefen abgetrennt, bevor die kontrollierte Gärung beginnt.
Brut bis Rosé: was das Sortiment ausmacht
Val de Rance arbeitet konsequent mit alten bretonischen Sorten wie Binet Rouge, Douce Moën, Guillevic, Rouget de Dol oder Judor — Apfelsorten, die je nach Anteil bittere, bitter-süße oder säurebetonte Charaktere ins Glas bringen. Der Cidre Brut, mit klar tannischer Struktur und trockenem Abgang, lebt von einem hohen Anteil bitter-süßer Sorten. Der Cidre Rosé entsteht aus rotfleischigen Sorten wie Baya Marisa und Avrolles, die ihm Farbe und eine blumig-fruchtige Note geben — weniger süß als ein Doux, frischer als ein Brut. Die Perle de Cidre-Linie, darunter die Guillevic-basierte Fruité-Variante, steht für feine Perlage und leichte, acidulierte Frucht. Für das internationale Geschäft gibt es die French-Cider-Reihe im 0,33-l-Format, ergänzt um Ginger-Lemon- und Pear-Varianten.
Alle Cuvées tragen die Handschrift des gleichen Maître de Chai und die Prämisse der Genossenschaft: möglichst reiner Apfelsaft, klar definierte Herkunft, keine Kompromisse beim Rohstoff. Das macht Val de Rance zu einem der verlässlichsten Namen, wenn es um bretonischen Cidre mit nachvollziehbarer Herkunft geht.