Fünf Jahrhunderte Landwirtschaft — und jetzt nur noch Wein
Die Wurzeln der Familie Spiess reichen bis ins Jahr 1509 zurück, als Adam Spieß als erster seiner Linie neben der Landwirtschaft auch Weinbau in Bechtheim betrieb. Über Generationen hinweg wirtschaftete die Familie im warmen Süden Rheinhessens — lange Zeit mit Ackerbau, Viehzucht und Wein nebeneinander. Erst mit der jüngsten Generation fiel die konsequente Entscheidung: ausschließlich hochwertige Weine. Heute leiten die Brüder Johannes und Christian Spiess den Betrieb, der seit jeher unter dem Namen Riederbacherhof bekannt ist. Johannes, Jahrgang 1986, durchlief seine Ausbildung bei Klaus-Peter Keller und der Familie Knipser, bevor er Weinbau und Önologie in Geisenheim studierte. Christian wiederum sammelte Erfahrungen bei Weingütern wie Wagner-Stempel und Philipp Kuhn. 2011 übernahm Johannes die Verantwortung für den Keller, 2014 trat Christian die Weinbergsleitung an. Dass die Eltern Ute und Jürgen sowie Oma Ilse und Christians Frau Sina weiterhin im Betrieb mitwirken, macht deutlich: Spiess ist nicht nur dem Namen nach ein Familienweingut.
Lösslehm, Kalkstein und der Grundsatz: der Wein entsteht im Weinberg
Bechtheim liegt in einer auffälligen Talkesselformation im Süden Rheinhessens — südlich ausgerichtete Rebhänge, gestaute Wärme, Böden aus Lösslehm und Kalksteinuntergrund. Auf 43 Hektar Rebfläche, die sich rund um Bechtheim und Osthofen erstreckt, wachsen die Trauben für das gesamte Sortiment. Die Lagen Geyersberg, Rosengarten, Hasensprung und Stein liefern dabei je nach Bodenstruktur und Kleinklima unterschiedliche Charaktere.
Das Handwerk im Weinberg folgt einem klaren Grundsatz: Reduzierte Erträge, konsequente Traubenselektion und nachhaltiger Anbau — damit im Keller so wenig wie möglich eingegriffen werden muss. Das Weingut ist Mitglied bei Fair'n Green, was die Ausrichtung auf nachhaltiges Wirtschaften auch formal untermauert. Im Keller setzt Spiess auf eine Kombination aus modernen Edelstahltanks für Frische und Präzision sowie klassischem Holzfass für Spätburgunder und gereifte Weißweine. Die Trauben werden in kleinen Chargen verarbeitet, um Lage und Sorte möglichst klar abzubilden. Rote Ortsweine reifen dabei rund 15 Monate im kleinen Eichenholzfass.
Riesling, Burgunder und Pinot Noir — mit Bechtheimer Handschrift
Christian und Johannes haben das Sortiment bewusst auf hochwertige Rieslinge, weiße Burgundersorten — Grau- und Weißburgunder, Chardonnay — sowie Pinot Noir konzentriert. Dazu gesellen sich der aromatische Gelbe Muskateller und frische Rosés. Die Gutsweine bilden den zugänglichen Einstieg: trinkfreudige Alltagsweine mit klarer Herkunft, deren Trauben ausnahmslos aus eigenen Weinbergen rund um Bechtheim und Osthofen stammen. Darüber ordnen sich Orts- und Selektionsweine ein, die das Terroir der einzelnen Bechtheimer Lagen sichtbar machen — konzentrierter, kantiger, mit mehr Tiefe. Die Philosophie dahinter ist denkbar direkt: „Wir produzieren den Wein, den wir gerne trinken." Wer die Weine von Spiess kennt, glaubt das sofort.