Vom Kesselhaus der Dampflok zur ältesten Brennlizenz Italiens
Die Antica Distilleria Domenico Sibona liegt in Piobesi d'Alba, wenige Kilometer von Alba entfernt, mitten im Roero — jenem Hügelland im Piemont, das auf der einen Seite an die Langhe grenzt und auf der anderen die Trauben für Barolo, Barbaresco und Roero hervorbringt. Gegründet wurde die Brennerei vor gut einem Jahrhundert auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei. Der Gründer Domenico Sibona beheizte seine ersten Destillate mit dem Kessel einer ausrangierten Dampflokomotive — ein pragmatischer Anfang, der heute wie ein Gründungsmythos klingt. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wich die Lok einem Kupferbrennkolben. Was geblieben ist: der Standort, der Familienname und die Brennlizenz Nr. 1 des UTF (der italienischen Finanzbehörde, die alle Brennereibetriebe überwacht) — die älteste staatlich vergebene Destillationslizenz Italiens, die nur an Betriebe mit nachgewiesener Tradition und handwerklichem Anspruch vergeben wird.
In den 1990er-Jahren übernahm die Familie Barbero das Unternehmen. Luigi Barbero, der seit 1999 im Betrieb arbeitet, führt die Destillerie heute in der Philosophie des Gründers weiter: sortenreiner Grappa, handwerklich destilliert, mit klarem Bezug zur Herkunft der Trester.
Frischer Trester, Kupferbrennkolben, sorgfältige Schnittführung
Das Herzstück der Sibona-Philosophie ist die Unmittelbarkeit: Der Trester — auf Italienisch Vinaccia — muss frisch und noch feucht in der Brennerei ankommen, spätestens vier Tage nach dem Keltern. Sobald er eintrifft, wird er sofort in den kontinuierlich arbeitenden Kupferbrennblasen destilliert. Dieser enge Zeitrahmen ist kein Zufall, sondern Voraussetzung dafür, dass die sortentypischen Aromen der Trauben erhalten bleiben. Kopf und Schwanz jedes Brandes werden konsequent abgetrennt — nur das reine Herzstück gelangt in den Ausbau. Drei erfahrene Önologen begleiten den gesamten Prozess.
Beim Ausbau trennt Sibona klar nach Rebsorte: Nebbiolo und Chardonnay reifen in Stahltanks, alle anderen Sorten wandern in kleine Holzbarriques. Für die Riserva-Linie verwendet Sibona Fässer, in denen zuvor Rum, Tennessee Whisky, Sherry, Porto oder Madeira gelagert haben — eine Technik, die den Tresterbränden ohne Fremdaroma komplexe Tiefe gibt: dunkle Frucht, Trockenfrüchte, wärmende Würze, je nach Fasstyp.
Barolo, Moscato, Nebbiolo — Piemont pur im Glas
Sibona brennt ausschließlich sortenrein und ausschließlich mit Trester von Winzern aus der unmittelbaren Umgebung. Das Rebsortenspektrum spiegelt das Piemont in seiner ganzen Breite: Nebbiolo, Barolo, Barbera, Moscato und Chardonnay stehen für die klassische Linie, die das sortentypische Aromaprofil in den Vordergrund stellt. Der Grappa di Barolo bringt die herbe, tannintypische Würze des Nebbiolo aus der Barolo-Zone, der Grappa di Moscato die blumige, fast süßliche Leichtigkeit der Muskattraube, der Grappa di Chardonnay die helle Fruchtigkeit mit frischer Säurelinie.
Die Riserva-Reihe geht einen Schritt weiter: Durch die Reifung in ehemaligen Rum-, Whisky- oder Sherryfässern entstehen Destillate mit Schichtung und Länge, die sich sowohl pur bei Raumtemperatur als auch über Eis entfalten. Das Sortiment, das bei uns verfügbar ist, zeigt Sibona von beiden Seiten — den klaren, fruchtbetonten Grappa frisch vom Kupfer und den gereiften, fassgepägten Charakter der Riserva-Abfüllungen.