Von Tain-l'Hermitage in die Welt: fast zwei Jahrhunderte Jaboulet
1834 gründete Antoine Jaboulet (1807–1864) die Maison Paul Jaboulet Aîné am Fuß der Hermitage-Hügel in Tain-l'Hermitage — mitten im Herzen der nördlichen Rhône. Seinen Söhnen Paul und Henri war es zu verdanken, dass die Maison schnell Bekanntheit erlangte; sechs Generationen der Familie Jaboulet führten das Haus weiter. Louis Jaboulet trieb das Weingut bis 1977 voran, sein Sohn Gérard öffnete es durch internationale Vermarktung für eine weltweite Käuferschaft — bis zu seinem frühen Tod 1997. Rund 170 Jahre nach der Gründung endete die Ära der Familie Jaboulet: Im Januar 2006 übernahm die Familie Frey die Maison. Die Freys sind seit Generationen in der Champagne verwurzelt und führen außerdem das Château La Lagune, einen Grand Cru Classé in Bordeaux, sowie weitere Güter in der Bourgogne. Mit dem Kauf verbanden sie ein klares Ziel: die Qualität des Hauses wieder auf das Niveau seiner besten Jahrzehnte zu heben.
An der Spitze steht seither Caroline Frey — Winzerin und Önologin, älteste Tochter von Jean-Jacques Frey. Sie übernahm früh Verantwortung; ihre prägende Handschrift war bereits am Château La Lagune zu spüren, bevor sie die Leitung der Maison Jaboulet übernahm. Mit ihr begann ein neues Kapitel — ohne den Bruch mit dem, was die Familie Jaboulet aufgebaut hatte.
Biologie, Biodynamie und die Kraft des Bodens
Carolines erster Schritt war konsequent: Der Negoziant-Anteil wurde zurückgefahren, der Fokus auf den eigenen Weinberg gelegt. Heute bewirtschaftet das Haus rund 105 Hektar in der nördlichen Rhône, von Cornas und Saint-Péray im Süden bis Côte-Rôtie im Norden — dazu Parzellen in Crozes-Hermitage, Saint-Joseph, Condrieu und, mit der Cuvée Parallèle 45, in den Côtes du Rhône. Bereits 2015 erhielt das Gut die Zertifizierung Haute Valeur Environnementale. 2016 folgte die Bio-Zertifizierung (AB) für das gesamte Weinbergportfolio; seit 2021 werden sämtliche Lagen biodynamisch bewirtschaftet. Das bedeutet: kein synthetischer Pflanzenschutz, Arbeit nach Mondkalender, Einsatz biodynamischer Präparate zur Stärkung von Boden und Rebstock.
Im Keller arbeitet das Team in einer Gravitationskellerei — der Traubenmost fließt ohne Pumpen. Als Ausbaugefäße kommen Betonei, Fûts, Demi-Muids und konische Edelstahlbehälter zum Einsatz, je nach Herkunft und Charakter der Cuvée. Ziel ist stets die aromatische Präzision und die Typizität des jeweiligen Terroirs — kein dominanter Holzeinsatz, der das Fruchtbild überlagert.
Syrah, Grenache und das Rückgrat der Côtes du Rhône
Syrah ist die Leitsorte des Hauses: Auf Granit und Schiefer der nördlichen Rhône entfaltet sie Aromen von dunkler Kirsche, Veilchen, schwarzen Oliven und Gewürzen, dazu ein tanninreiches Rückgrat, das Tiefgang verspricht. Die weißen Cuvées aus Marsanne, Roussanne, Viognier und Grenache Blanc setzen dagegen auf florale Üppigkeit und Gewicht. Mit der Cuvée Parallèle 45 — benannt nach dem Breitengrad, auf dem Tain-l'Hermitage liegt — bietet Jaboulet seit Jahrzehnten den klassischen Einstieg in die Rhône-Welt: Die Roten, meist auf Grenache und Syrah basierend, bringen rote und schwarze Frucht mit lebhafter Struktur, die Weißen setzen auf aromatische Breite mit frischer Säurelinie. Hinter der Parallèle 45 steht das volle Gewicht eines Hauses, das Appellationen wie Hermitage, Crozes-Hermitage oder Cornas mit demselben Anspruch bearbeitet — konsequent biologisch, handwerklich vinifiziert, terroir-orientiert bis ins Glas.