Vom Kibbuz-Kollektiv zum Pionier des israelischen Qualitätsweinbaus
Die Geschichte der Golan Heights Winery beginnt nicht mit einer Unternehmerfamilie, sondern mit einer kollektiven Entscheidung: 1983 schlossen sich vier Kibbuzim und vier Moschawim auf dem Golan-Plateau zusammen, um in Katzrin eine gemeinschaftliche Kellerei zu gründen. Die ersten Rebstöcke auf dem Golan waren bereits 1976 gepflanzt worden – auf vulkanischen Basaltböden, die zuvor hauptsächlich Apfelplantagen getragen hatten. Mit dem ersten Jahrgang 1984 zog die Kellerei sofort internationale Aufmerksamkeit auf sich. Was als regionales Gemeinschaftsprojekt begann, entwickelte sich über die folgenden Jahrzehnte zur treibenden Kraft hinter der israelischen Weinrevolution: Die Kellerei gilt heute als Mitbegründerin einer nationalen Qualitätsidentität und hat eine ganze Generation von Boutique-Winzern im Land beeinflusst und inspiriert.
Den entscheidenden qualitativen Sprung brachte 1991 die Ankunft von Victor Schoenfeld, einem in Südkalifornien geborenen Önologen mit Abschluss von der UC Davis. Schoenfeld hatte zuvor bei Robert Mondavi, Preston Vineyards und Chateau St. Jean in Sonoma gearbeitet sowie beim Champagnerhaus Jacquesson & Fils in Frankreich. Seit 1992 prägt er als Head Winemaker das Profil der Kellerei – und gilt heute als einer der einflussreichsten Winzer Israels.
Präzisionslandwirtschaft auf vulkanischem Basalt
Das Terroir des Golan ist das Fundament jedes Weins aus Katzrin: vulkanische Basaltböden, mineralstoffreich und gut drainiert, kombiniert mit einem mediterranen Klima, das durch Lage und Höhe stark modifiziert wird. Die 28 Weinberge erstrecken sich über Höhenlagen zwischen 400 und fast 1.200 Metern und sind in rund 450 bis 500 einzelne Parzellen unterteilt – jede wird separat bewirtschaftet, separat gelesen und separat vinifiziert, bevor die finale Assemblage entscheidet. Kalte, schneebedeckte Winter und warme, trockene Sommertage mit kühlen Nächten schaffen die Spannung zwischen Reife und Frische, die den Weinen ihre Struktur gibt.
Schoenfeld steht für einen Ansatz, der technologische Präzision mit einer klaren Terroir-Philosophie verbindet: Klimamonitoring, computergesteuerte Kühlsysteme, Bewässerungsmanagement und moderne Keltertechnik arbeiten Hand in Hand mit Praktiken wie Kompostierung und Windenergie. Die Kellerei war die erste israelische Winzerei, die das californische LODI RULES-Nachhaltigkeitszertifikat übernommen hat, und betreibt zudem eine eigene Baumschule zur Bereitstellung virusfreien Pflanzguts – gemeinsam mit dem Institut ENTAV-INRA – für die gesamte israelische Weinbranche.
Vier Labels, ein Terroir – vom zugänglichen Roten bis zum Sammlerwein
Das Sortiment der Golan Heights Winery ist in klar definierte Labels gegliedert, die unterschiedliche Ausdrucksebenen desselben Terroirs abbilden. Mount Hermon bildet den alltagstauglichen Einstieg: Der Red ist eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und weiteren Bordeaux-Sorten, der Rosé und der Indigo ergänzen die Linie mit zugänglichem Fruchtprofil. Die Gamla-Linie – bei uns mit Cabernet Sauvignon, Syrah, Chardonnay und Sauvignon Blanc vertreten – steht für sortenreine Ausdrucksstärke auf mittlerem Qualitätsniveau: konturierter, mit mehr Tiefe und Lagerpotenzial. Das Flaggschiff Yarden trägt den hebräischen Namen des Jordan, der die Golanhöhen von Galiläa trennt; der Katzrin Chardonnay und der Katzrin Cabernet Sauvignon aus dieser Linie gehören zu Israels begehrtesten Sammelweinen. 2004 war der Yarden Cabernet Sauvignon das erste israelische Gewächs in den Wine Spectator Top 100; 2012 zeichnete das Wine Enthusiast Magazine die Kellerei als New World Winery of the Year aus. Schoenfeld arbeitet zudem mit Rebsorten wie Syrah, Pinot Noir, Viognier und Gewürztraminer – Sorten, die zeigen, dass das Terroir der Golanhöhen weit mehr hergibt, als man dem Nahen Osten gemeinhin zutraut.