Von Weizenfeldern zum Walker-Bay-Vorzeigegut
Gabriëlskloof ist das Ergebnis einer langen Suche. Bernhard Heyns, südafrikanischer Unternehmer, verbrachte Jahre damit, ein Stück Land zu finden, das ihn — in seinen eigenen Worten — „an Ort und Stelle festnageln" würde. 2001 fand er es: einen Canola- und Weizenbetrieb namens Avontuur am Rand von Botrivier, den er nach einer Begegnung mit dem ansässigen Landwirt Barry Anderson kurzerhand kaufte. Wo vorher Schafe grasten und Getreide wuchs, ließ Heyns sukzessive Weinberge anlegen; die ersten Trauben wurden 2009 gelesen. Das Gut blieb seither im Familienbesitz. Ein entscheidender Schritt kam 2014, als Heyns' Schwiegersohn Peter-Allan Finlayson — Sohn des legendären Bouchard-Finlayson-Kellermeisterts Peter Finlayson und Gründer des gefeierten Labels Crystallum — die Kellerleitung übernahm und Gabriëlskloof in eine neue Richtung führte. In Tim Atkins South-Africa-Report wurde das Weingut 2023 und 2024 jeweils als „First Growth" klassifiziert.
Handarbeit im Weinberg, minimale Eingriffe im Keller
Die Farm liegt im Botrivier-Tal zwischen dem Houwhoek- und dem Babylonstoren-Gebirge, nur rund 15 Kilometer vom Atlantik entfernt. Die vorherrschenden Südwinde von der Küste kühlen die Weinberge, strecken die Reifeperiode und halten die Säure intakt — auf Kosten der Ertragsmengen, was dem Weingut recht ist. Die Böden aus Table-Mountain-Sandstein und Bokkeveld-Schiefer auf Höhenlagen zwischen 200 und 600 Metern produzieren von Natur aus kleine, konzentrierte Erträge; alle Weinbergsarbeiten werden ausschließlich per Hand erledigt. Gabriëlskloof trägt den Status als Biodiversity and Wine Champion und arbeitet mit der renommierten Weinbergsconsultantin Rosa Kruger zusammen, mit dem erklärten Ziel, schrittweise auf organische Bewirtschaftung umzustellen.
Im Keller setzt Kellermeister Peter-Allan Finlayson — heute unterstützt von Winzerin Anmar van Niekerk — konsequent auf minimale Intervention: Spontangärung mit indigenen Hefen, Ganztrauben-Fermentation, Reifung in Tonamphorae und älteren Holzfässern. Neues Eichenholz wird sparsam und ausschließlich in feiner Körnung und leichter Röstung eingesetzt. Das Gesamtgut umfasst 178 Hektar, davon rund 68 Hektar Rebfläche.
Drei Linien, ein Ort: Terroir-Ausdruck als Programm
Das Sortiment gliedert sich in drei klar definierte Linien. Die Gabriëlskloof-Range bündelt die zugänglicheren Gutsweine mit Fokus auf die Eigenlage. Die Landscape Series verbindet die besten Parzellen des Guts mit einigen der ältesten Reben Südafrikas. Die Projects Range schließlich dient als Experimentierfeld: Hier kommen ungewöhnliche Gefäße, alternative Vergärmethoden und unkonventionelle Rebsortenkombinationen zum Einsatz — darunter der Amphora Sauvignon Blanc, der im Tongefäß ausgebaut wird, oder der Whole Bunch Syrah, der vollständig als Ganztraube vergoren wird und für seine Lebendigkeit mit Aromen von Veilchen, Brombeere und Weißem Pfeffer bekannt ist. Der Syrah on Shale stammt aus einer einzigen Bokkeveld-Schiefer-Parzelle und zeigt einen dichteren, ernsthafteren Charakter. Beim Elodie und dem Synonym Chenin Blanc sowie beim Bordeaux-Verschnitt The Blend steht Herkunftstreue im Vordergrund: wenig Holzeinfluss, viel Gestein, klare Frucht. Trinktemperatur für die Weißweine: 10–12 °C, für die Rotweine 16–18 °C.