Von Monterubiaglio nach Montefiascone: drei Generationen, eine Leidenschaft
Die Wurzeln der Famiglia Cotarella reichen bis in die frühe Geschichte des 20. Jahrhunderts zurück: Die Brüder Antonio und Domenico Cotarella bauten in ihrem Heimatort Monterubiaglio in Umbrien Trauben an und legten damit den Grundstein für eine Weinfamilie, die das zentralitalienische Weinbild bis heute prägt. Den entscheidenden Schritt machte die zweite Generation: 1979 gründeten die Brüder Renzo und Riccardo Cotarella das Weingut Falesco in Montefiascone im nördlichen Latium — mit dem erklärten Ziel, die alten, beinahe vergessenen Rebsorten der Region zu retten und dem Terroir seinen Rang zurückzugeben. Riccardo wurde einer der bekanntesten Önologen Italiens; Renzo prägte als langjähriger Kellermeister bei Antinori eine ganze Ära des italienischen Weinbaus. Gemeinsam brachten sie beide Perspektiven in das Familiengut ein. 2016 übernahm die dritte Generation: Dominga und Marta, Töchter von Riccardo, sowie Enrica, Tochter von Renzo, traten offiziell die Nachfolge an — und tauften das Weingut auf den Namen um, der die Familienbindung am besten ausdrückt: Famiglia Cotarella. Marta führt das Unternehmen als CEO, Dominga als Präsidentin, Enrica verantwortet Marketing und Kommunikation.
Vulkanische Böden, alte Klone, konsequente Handlese
Das Herzstück des Betriebs liegt im Grenzgebiet zwischen Latium und Umbrien — vom Bolsenasee im Süden bis zu den Hügeln rund um Orvieto im Norden. Die Böden dieses Gebiets sind teils vulkanischen, teils sedimentären Ursprungs und geben den Weinen ihre mineralische Prägung und Tiefe. 1999 erweiterte die Familie den Besitz erheblich: Mit dem Kauf der Azienda Marciliano, rund 260 Hektar auf einem Hügel südlich von Orvieto in den Gemeinden Montecchio und Baschi, entstanden die Voraussetzungen für das heutige Sortimentsprofil. Auf diesen Lagen wachsen Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Sangiovese sowie Weißsorten wie Vermentino und Verdicchio. Im Keller setzt Famiglia Cotarella auf Vergärung in Edelstahl mit sanften, täglichen Délestages, gefolgt von sorgfältig dimensioniertem Barrique-Ausbau — je nach Wein zwischen einigen Monaten und deutlich über einem Jahr. Die Trauben für die Flaggschiffweine Montiano und Sodale werden von Hand gelesen, nach Klon und Qualität separiert und ohne Pumpen in die Tanks gebracht. 2017 kam mit dem toskanischen Gut Le Macioche in Montalcino ein weiteres Kapitel hinzu, das Brunello di Montalcino DOCG ins Portfolio brachte. Das Weingut hält zudem eine Nachhaltigkeitszertifizierung nach dem Equalitas-Standard.
Merlot aus Latium, Roscetto vom Bolsenasee: ein Sortiment mit klarer Handschrift
Dass Latium mehr kann als leichte Weißweine, hat Famiglia Cotarella über Jahrzehnte bewiesen. Der Montiano — ein reinsortiger Merlot aus Latium IGP — entstand aus der intensiven Beschäftigung mit einem besonderen Merlot-Klon, den die Familie seit 1990 selektiert. Der Wein steht für Kirschfrucht, feine Würze und eine seidene Tanninstruktur, die lange Barriquereifung integriert, ohne den Fruchtcharakter zu überlagern. Direkt darunter angesiedelt ist der Sodale Lazio IGP, ebenfalls aus Merlot: frühzugänglicher, aromatisch präzise, benannt nach dem lateinischen Begriff für Gemeinschaft — ein Name, der das generationenübergreifende Selbstverständnis der Familie auf den Punkt bringt. Mit dem Ferentano Lazio IGP bewahrte die Familie die fast ausgestorbene autochthone Sorte Roscetto vor dem Verschwinden: Ein Weißwein aus dem Umfeld des Bolsenasees, der das Potenzial dieser Traube erst sichtbar machte. Der Marciliano Rosso Umbria IGP, eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc vom Hügel südlich von Orvieto, reift mindestens 16 Monate in Barrique und zeigt, wie präzise internationale Sorten auf vulkanischem Boden Zentralitaliens werden können. Die Linie wird ergänzt durch den Poggio dei Gelsi, eine Selektion des traditionsreichen Est! Est!! Est!!! di Montefiascone DOP — ein Wein, der einer historischen, zwischenzeitlich in Vergessenheit geratenen Denomination ihre Substanz zurückgibt.