Vom Fassweinbetrieb zum Südpfälzer Geheimtipp
Kleinfischlingen liegt zwischen Neustadt an der Weinstraße und Landau, eingebettet in die sanften Hügel der südlichen Weinstraße — eine Gemeinde, in der Weinbau seit dem Jahr 772 nachgewiesen ist. Lange blieb das Potenzial dieser Lage im Verborgenen: Der Betrieb von Harald Ellermann lieferte seinen Ertrag nahezu vollständig als Fassware an Genossenschaften, ohne eigenen Namen auf einer einzigen Flasche. Das änderte sich 2007, als Frank Spiegel — Stiefsohn von Harald Ellermann — in den Familienbetrieb einstieg. Um den Neuanfang sichtbar zu machen, wurde das Weingut in Ellermann-Spiegel umbenannt. Ab dem Jahrgang 2008 begann Frank Spiegel, einen wachsenden Teil der Ernte selbst abzufüllen und zu vermarkten. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Schon im ersten Jahr fanden seine Weine den Weg auf die Karten ambitionierter Restaurants und Sternehäuser in ganz Deutschland.
Handwerk mit klarer Haltung: „Dir muss ES schmecken"
Frank Spiegels Ausbildungsweg ist das Fundament, auf dem Ellermann-Spiegel heute steht. Nach dem Abitur absolvierte er seine Winzerlehre bei zwei der bekanntesten Pfälzer Adressen, den Weingütern Knipser und Münzberg, studierte anschließend Weinbau und Önologie an der Fachhochschule Geisenheim und sammelte praktische Erfahrungen in der Wachau, im Beaujolais und in Bordeaux. Diese internationale Perspektive kehrt er in Kleinfischlingen ins Regionale zurück: Die Weinberge des Weinguts erstrecken sich von Kleinfischlingen bis nach Landau-Mörzheim und Duttweiler, auf Böden, die von sandig bis lehmig-kalkhaltig reichen und der südpfälzischen Sonne maximale Wirkung verschaffen.
Im Keller setzt Frank Spiegel auf ein tiefes Verständnis für das lokale Terroir, sorgfältige Handlese und eine Vinifikation, die den Rebsortencharakter klar herausarbeitet, ohne ihn zu überformen. Sein erklärter Anspruch — „Dir muss ES schmecken" (ES für Ellermann-Spiegel) — ist dabei mehr als ein griffiger Slogan. Er steht für die Überzeugung, dass Wein kein Statussymbol sein muss, sondern ein zugänglicher, ehrlicher Begleiter im Alltag wie am gedeckten Tisch.
Klare Weißweine, eigenständige Cuvées, breites Rebsortenbild
Das Sortiment von Ellermann-Spiegel spiegelt die klimatischen Möglichkeiten der Südpfalz konsequent wider. Bei den Weißweinen stehen Riesling, Grau- und Weißburgunder sowie Chardonnay im Mittelpunkt — klare, trinkfreudige Weine mit Frucht und Substanz, ausgebaut auf Frische und Direktheit. Hinzu kommen Sauvignon Blanc, Rieslaner und Viognier als charakterstarke Einzelsortenweine sowie ein breites Spektrum an Rotweinen: Spätburgunder, St. Laurent, Portugieser und Syrah zeigen, wie wärmebegünstigt diese Ecke der Pfalz tatsächlich ist. Die eigenwillig benannten Cuvées — Schnick-Schnack-Schnuck, Simsalabim, Tagtraum, Windrose — sind kein Marketing-Gag, sondern Ausdruck der entspannten, ernsthaft handwerklichen Haltung des Weinguts: Weine, die nicht verkopft sind, aber nie auf Substanz verzichten. Wer die Pfalz zwischen Pfälzerwald und Rheinebene im Glas erleben will, ohne dafür tief in die Tasche greifen zu müssen, ist bei Ellermann-Spiegel am richtigen Ort.