Von der Bankkarriere zurück in die Langhe-Hügel
Die Familie Grasso bewirtschaftet Weinberge rund um Monforte d'Alba seit Generationen — ihre Lagen wurden bereits im frühen 20. Jahrhundert in die historische Weinbergskarte des Historikers Lorenzo Fantini eingetragen, als Referenz für erstklassige Anbaugebiete im Piemont. Elio Grasso selbst schlug zunächst einen anderen Weg ein und arbeitete als Bankdirektor, bevor er in den frühen 1980er Jahren das elterliche Weingut übernahm und reaktivierte. Der entscheidende Schritt war bereits 1978 gesetzt: Grasso begann damals als Pionier damit, die Trauben seiner besten Parzellen lagewise getrennt zu vinifizieren und abzufüllen — zu einem Zeitpunkt, als Einzellagenweine im Barolo noch keineswegs selbstverständlich waren.
Heute führt Sohn Gianluca Grasso das Weingut, der nach einer Ausbildung in Agronomie und Önologie in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren schrittweise die Verantwortung übernahm. Der generationelle Übergang verlief fließend; der Stil des Hauses blieb dabei in seinen Grundzügen unverändert.
Weinberg zuerst — Keller als verlängerter Arm der Lage
Die rund 18 Hektar Rebfläche konzentrieren sich vollständig auf das Gebiet von Monforte d'Alba, auf Höhenlagen zwischen 300 und 450 Metern. Die wichtigsten Lagen sind die Ginestra mit den Parzellen Casa Maté und Vigna Chiniera sowie die Gavarini-Zone direkt am Weingut. Casa Maté bringt südwest-exponierte Parzellen auf kalkhaltigem Lehm hervor — dunklere, kräftigere Frucht. Chiniera, etwas höher gelegen mit sandigem Untergrund, gibt aromatisch feingliedrigere, strukturell zurückhaltendere Weine. Handarbeit, gezielte Laubarbeit und niedrige Erträge sind Grundlage beider Standorte.
Im Keller folgt die Familie einem klaren Prinzip: Die malolaktische Gärung findet in Edelstahltanks statt, um jede Holzextraktion in dieser Phase zu vermeiden. Für die klassischen Barolo-Einzellagen setzt Gianluca Grasso auf die Reifung in großen, alten Fässern aus slawonischer Eiche; für die Riserva Rüncot — eine Selektion der besten Parzellen, nur in außergewöhnlichen Jahrgängen ausgebaut — kommen Barriques aus französischer Eiche zum Einsatz. Der 2004 fertiggestellte Weinkeller wurde direkt in den Hang hineingebaut und bietet auf rund 100 Metern Länge konstante Temperaturen und Luftfeuchtigkeit — ideale Bedingungen für die lange Flaschenreife vor dem Verkauf.
Barolo als Herzstück, Barbera und Dolcetto als ehrliche Begleiter
Das Sortiment folgt dem, was die Hügel um Monforte d'Alba hergeben: Nebbiolo für Barolo und den Langhe Nebbiolo Gavarini, Barbera für den Vigna Martina und Dolcetto für den Dei Grassi. Seit 1986 gibt es außerdem eine kleine Chardonnay-Parzelle, die den einzigen Weißwein des Hauses liefert. Der Stil liegt zwischen Tradition und behutsamer Moderne: strukturstarke Tannine und Säure, wie es für Monforte d'Alba typisch ist, verbunden mit einer Fruchtklarheit und Eleganz, die durch sorgfältige Kellerhygiene und lageweise Vergärung entstehen. Der Langhe Nebbiolo Gavarini stammt von jüngeren Nebbiolo-Reben in der Gavarini-Zone und bietet einen früheren Zugang zur Sorte — zugänglich und aromatisch, ohne die Strenge eines großen Barolo. Der Barbera Vigna Martina reift rund 15 Monate in Barrique und zeigt die Tiefe und Spannung, die diese Hanglage zwischen Sand und Lehm erlaubt. Bei aller Konzentration auf das Flaggschiff Barolo bleibt die Gesamtproduktion bewusst auf einem Niveau, das weitgehend familieninterne Bewirtschaftung erlaubt — eine Entscheidung, die Gianluca Grasso und sein Vater Elio als bewusste Größenbeschränkung verstehen.