Von der Weinverkosterei zum Familienimperium: Cecchi seit 1893
1893 begann Luigi Cecchi in den Hügeln des Chianti Classico — nicht als Winzer, sondern als professioneller Weinverkoster und Berater umliegender Güter. Aus dieser analytischen Ausgangsposition entwickelte er ein Gespür für Qualität, das er um 1900 gemeinsam mit Sohn Cesare in eine eigene Marke überführte: die Casa Vinicola Luigi Cecchi e Figli. In den 1930er Jahren hatte der Name Cecchi bereits internationale Bekanntheit erlangt. In den 1970er Jahren errichtete die dritte Generation einen modernen Keller in Castellina in Chianti — mitten im Chianti-Classico-Gebiet, das bis heute Stammsitz der Familie ist. Seit 2004 führen die Brüder Cesare und Andrea Cecchi das Unternehmen als vierte Generation, mit Andrea Cecchi als Präsident.
Die Expansion verlief schrittweise und mit Bedacht. In den 1960er Jahren kam Villa Cerna als erstes Außengut hinzu, gelegen nördlich von Siena auf Hügellagen zwischen 200 und knapp 300 Metern Höhe. Ende der 1980er Jahre folgten San Gimignano für die Vernaccia und das Gut Val delle Rose in der Maremma für den Morellino di Scansano. Später kamen Weinberge in Montalcino sowie die Tenuta Alzatura im umbrischen Montefalco dazu. Mit Villa Rosa, 2014 erworben, kehrte Cecchi für die Produktion von Chianti Classico Gran Selezione bewusst in den Kernraum des Hauses zurück.
Abwasseraufbereitung und biologische Zertifizierung im Betrieb
Rund 385 Hektar Rebfläche, sechs Güter. Cecchi war das erste Weingut der Toskana, das eine eigene Abwasseraufbereitungsanlage installierte: Wasser wird recycelt und Energie eingespart. Inzwischen sind drei solcher Anlagen in Betrieb, verteilt über die wichtigsten Güter. Mehrere Betriebe sind bereits biologisch zertifiziert. Andrea Cecchi bringt die Philosophie des Hauses auf einen schlichten Nenner: Gutes Land bringt guten Wein. Terroir wird bei Cecchi daher nicht als Marketingbegriff verwendet, sondern als Arbeitsauftrag — mit dem Ziel, die unterschiedlichen Persönlichkeiten der jeweiligen Lagen herauszuarbeiten und ablesbar zu machen.
Sangiovese als roter Faden — von Castellina bis in die Maremma
Sangiovese ist die Herztraube des Hauses: als Chianti Classico von Villa Cerna und Villa Rosa, als Vino Nobile di Montepulciano und als Morellino di Scansano aus der Maremma. Die Linie La Mora bündelt die Weine aus den südlicheren Anbaugebieten — zugänglich und fruchtbetont, mit klarem Herkunftsbezug. Der Morellino di Scansano steht für das mediterrane Gesicht des Hauses: wärmere rote Frucht, weiches Tannin, ein Hauch Macchia. Der Rosso Maremma Toscana DOC zeigt denselben Charakter in etwas leichterer Form. Dazu kommt der La Mora Vermentino mit salzig-zitrusfrischer Struktur und dem typischen leichten Bitterton im Abgang — einer der charakteristischsten Weißweine der Region. Wer tiefer ins Sortiment geht, findet mit dem Vino Nobile di Montepulciano einen Sangiovese auf vulkanischem Tuffboden: straffere Tanninstruktur, mehr Würze, längerer Abgang. Trinktemperatur für die Rotweine: 16–18 °C, der Vermentino gut gekühlt bei 10–12 °C.