Wo sich Napa und Montalcino trafen: die Geburt von Luce
Anfang der 1990er Jahre begegneten sich Vittorio Frescobaldi und Robert Mondavi — ein toskanischer Marchese mit achthundert Jahren Weinbautradition im Rücken und ein amerikanischer Weinpionier aus dem Napa Valley. Ihr erstes gemeinsames Projekt: Tenuta Luce della Vite, gegründet in Montalcino. Der erste Jahrgang erschien 1993. Die Idee war kühn: kein weiterer Brunello, sondern ein Wein, der die Tiefe Montalcinos mit der üppigen Frucht einer burgundischen Rebsorte verband — Sangiovese und Merlot, Alte und Neue Welt in einem Glas. Der Name Luce, italienisch für Licht, stand für das Sonnenlicht über den Hügeln des Val d'Orcia, das Rhythmus und Charakter der Weinberge bestimmt.
Nach dem Tod Robert Mondavis und der Auflösung der ursprünglichen Partnerschaft Anfang der 2000er übernahm die Familie Frescobaldi die Tenuta vollständig. Lamberto Frescobaldi, Sohn des Gründers und heute Präsident der Frescobaldi-Gruppe, trat 2005 offiziell die Leitung an. Er verantwortet seitdem alle Produktionsentscheidungen — vom Weinberg bis zur finalen Assemblage. 2016 erwarb Tenuta Luce ein zentral gelegenes Anwesen im Herzen des Guts und baute dort einen modernen Untertagekeller, in dem sich auch die Luce Collection befindet: eine Bibliothek aller Jahrgänge der Tenuta.
Biodynamisches Denken, präzise Handarbeit und ein Keller unter der Erde
Seit 2013 wirtschaftet Tenuta Luce ökologisch, seit 2015 ist das Gut offiziell bio-zertifiziert. Hinter dieser Entscheidung steht keine Marketingstrategie, sondern eine klare Haltung: Wer Montalcino in seiner reinsten Form in die Flasche bringen will, muss den Boden schützen, auf dem er arbeitet. Die Weinberge liegen auf 350 bis 420 Metern Höhe im Südwesten von Montalcino, Südausrichtung, mit langen, warmen Sommern und kühlen Nächten — eine Konstellation, die langsame Reife und aromatische Komplexität fördert. Der Galestro-Boden in den höheren Lagen begünstigt den Sangiovese, tiefere, ton- und sandhaltigere Partien sind dem Merlot vorbehalten, dessen Stecklinge die Frescobaldis in den 1970er Jahren aus Bordeaux einführten.
Im Weinberg setzt Chefenologe Stefano Ruini auf konsequente Ausdünnung und Handlese mit mehrfacher Selektion. Im neuen Untertagekeller werden die Weine in französischen Eichenfässern ausgebaut — beim Flaggschiff Luce über rund 24 Monate. Die unterirdische Architektur ist dabei kein Zufall: konstante Temperatur, natürliche Feuchtigkeit, minimaler technischer Eingriff. Auf einigen Sangiovese-Parzellen im Brunello-Bereich wird inzwischen ganz auf Schnitt verzichtet — die Rebe reguliert ihr Wachstum selbst.
Drei Weine, eine Adresse: das Sortiment von Luce della Vite
Tenuta Luce produziert drei Weine mit klar definiertem Charakter. Das Flaggschiff Luce Toscana IGT war das erste Merlot-Sangiovese-Blend, das je in Montalcino entstanden ist — ein Super Tuscan mit der Struktur und der kühlen Salzigkeit des Ortes und der dunkelfrüchtigen Fülle des Merlot: schwarze Kirsche, Brombeere, Veilchen, feine Würze. Der Brunello di Montalcino stammt aus dem Madonnino-Weinberg und ist ein klassischer, hundertprozentiger Sangiovese — straffere Säure, dichtere Tannine, der typische Eisencharakter dieser DOCG-Zone. Lucente, der dritte im Bund, ist zugänglicher in der Jugend, ebenfalls eine Cuvée aus Sangiovese und Merlot, aber mit weniger Reifezeit — ein Einstieg in die Welt der Tenuta ohne Abstriche beim Herkunftsbezug. Alle drei zeigen, was das Anliegen von Luce von Beginn war: Montalcino nicht kopieren, sondern weiterdenken.