Von Trapani in die Welt: die Geschichte der Feudi Branciforti dei Bordonaro
1985 gründeten Salvatore und Vinzia di Gaetano in Paceco bei Trapani das Weingut, das heute als Feudi Branciforti dei Bordonaro bekannt ist. Hinter dem Namen verbirgt sich eine klare Absicht: Die Weine Westsiziliens in ihrer authentischsten Form zu zeigen — nicht als Massenware, sondern als handwerkliche Interpretation eines der ältesten Weinbaugebiete Italiens. Die Provinz Trapani gilt als die am dichtesten mit Weinbergen bepflanzte Region des Landes, und genau hier, auf der Contrada Gelso Grande zwischen dem Monte Erice und den Ägadischen Inseln, legten die Gründer den Grundstein für ein Weingut, das heute in über 30 Länder exportiert.
300 Hektar Kalkstein, Meerwind und präziser Weinbau
Die Weinberge der Tenuta Gelso Grande erstrecken sich auf sanften, lehmig-kalksteinigen Hügeln zwischen 300 und 400 Metern Höhe — hoch genug, damit die Nächte kühlen und die Aromen in den Trauben stehen bleiben, nah genug am Meer, damit der Westwind aus Richtung der Ägadischen Inseln für Frische sorgt. Auf rund 300 Hektar wachsen Grillo, Catarratto, Nero d'Avola, Syrah und weitere Sorten im Guyot-Erziehungssystem mit rund 4.200 bis 5.000 Stöcken pro Hektar — eine Dichte, die konzentrierte Trauben fördert. Geerntet wird von Hand, meist Ende August, bevor die Sommerhitze die Aromatik zu sehr in Richtung Überreife drängt.
Im Keller arbeitet das Team konsequent mit temperaturkontrollierten Edelstahltanks, um die fruchtigen und mineralischen Primäraromen der sizilianischen Rebsorten zu bewahren. Der bekannte Önologe Giuseppe Pellegrino begleitete die Entwicklung des Weinguts und hat das Vinifikationsprofil mitgeprägt: sortenrein, sauber, mit Respekt vor dem Terroir. Für den Ausbau der Rotweine kommen Holzfässer zum Einsatz, ohne das Fruchtbild der Sorten unter Eichenaromen zu begraben.
Grillo, Catarratto, Nero d'Avola — Sizilien im Glas, ohne Umwege
Das Sortiment folgt keinen internationalen Modetrends, sondern dem, was die Trapani-Landschaft am besten kann. Der Catarratto Bianco zeigt sich strohgelb mit grünen Reflexen, duftet nach Wiesenblumen und reifer Birne — ein Weißwein, der zur mediterranen Küche passt, also zu Fisch, Meeresfrüchten und hellem Gemüse. Der Grillo Sicilia DOC gehört zur autochthonen Spitze der Insel: Die Rebe hat hier ihre ursprüngliche Heimat und gibt im Glas Zitrus- und Steinobst-Aromen mit salzig-mineralischem Abgang. Der Nero d'Avola schließlich — der Rotwein, mit dem Sizilien die Weinkarte Europas zurückerobert hat — reift bei Branciforti kurz im Holz, bleibt dabei aber saftig und von lebendiger Säure getragen, mit Aromen von dunkler Kirsche und mediterranen Kräutern. Alle drei Weine sind Ausdruck eines Weinguts, das sich entschieden hat: lieber die Sprache Siziliens sprechen als die des Weltmarkts.