Wie Berlucchi die Franciacorta erfand
Die Geschichte der Franciacorta lässt sich nicht erzählen, ohne bei Berlucchi zu beginnen. 1955 gründeten der brescianische Landadellige Guido Berlucchi und der junge Önologe Franco Ziliani das Weingut in Borgonato — damals noch eine Wette auf die Überzeugung, dass die Hügel südlich des Iseosees das Zeug zu einem klassischen Schaumwein nach Champagner-Vorbild hätten. 1961 brachten sie nach langen Versuchen die ersten 3.000 Flaschen eines Metodo-Classico-Weins in die Flasche: der erste Franciacorta überhaupt. Der Erfolg war unmittelbar — schon im folgenden Jahrgang wurde die Produktion auf 20.000 Flaschen ausgeweitet. Bis 1967, als die Region DOC-Status erhielt, gab es bereits elf Erzeuger in der Franciacorta; Berlucchi stellte damals mehr als 80 Prozent der Gesamtproduktion.
Heute führen Francos Kinder Cristina, Arturo und Paolo das Familienunternehmen in zweiter Generation — und haben es auf rund 4,5 Millionen Flaschen jährlich ausgebaut, ohne den familiären Charakter zu verlieren. Der Gambero Rosso zeichnete Berlucchi 2022 als „Winery of the Year" aus, mit dem Verweis, das Haus habe die Geschichte des klassischen Método in Italien geprägt. Stammquartier ist bis heute das Palazzo Lana in Borgonato, ein Renaissancepalast aus dem 16. Jahrhundert, dessen historische Keller das Herzstück der Vinifikation bilden.
515 Hektar Biolandbau und das Mille1Vigna-Projekt
Mit 515 Hektar zertifiziert biologisch bewirtschafteter Rebfläche ist Berlucchi einer der flächenmäßig größten Betriebe in der Franciacorta. Seit 2016 arbeiten alle Weinberge nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus — eine Entscheidung, die in dieser Größenordnung konsequente Logistik verlangt. Das Projekt Mille1Vigna geht noch weiter: Es kartiert jede Parzelle mit Biopass-Bodenanalysen und verknüpft die Lagen systematisch mit ihren jeweiligen Bodenprofilen — von den Moränenböden direkt am Iseosee bis zu lehmigen Hochlagen, die für den Brescianischen Sommer typisch sind. Das milde Mikroklima des Sees und die frischen Fallwinde aus dem Val Camonica sorgen für ausgeprägte Tag-Nacht-Temperaturdifferenzen, die Säurestruktur und Aromadichte in den Trauben aufbauen.
Im Keller setzt Berlucchi auf den klassischen Dreiklang des Metodo Classico: Handlese, schonende Pressung, Gärung in Edelstahltanks oder Holzfässern, anschließend zweite Flaschengärung und langer Hefeausbau in den Kellern des Palazzo Lana. Non-Vintage-Cuvées reifen mindestens 18 Monate sur lie, Prestige-Cuvées deutlich länger. Nach der Degorgierung ruht jede Flasche noch einmal zwischen drei Monaten und einem Jahr, bevor sie das Haus verlässt.
Drei Linien, ein klarer Stil: Franciacorta DOCG vom Gründerhaus
Das Sortiment gliedert sich in drei klar profilierte Familien. Die Cuvée Imperiale — die älteste Linie, benannt in Anlehnung an den ersten Berlucchi-Franciacorta — steht für zugängliche Eleganz: cremige Perlage, helles Brioche, gelbe Frucht, trockener Abgang. Die Linie 61, benannt nach dem Gründungsjahr, nimmt sich mehr Zeit auf der Hefe und zeigt eine kräftigere, strukturiertere Charakteristik; der Satèn aus dieser Reihe, vinifiziert ausschließlich aus weißen Rebsorten mit reduziertem Überdruck, fällt durch besonders seidige Textur und feine Perlage auf. Die Nature 61-Linie schließlich arbeitet ohne oder mit minimaler Dosage und bringt das Terroir der biologischen Lagen besonders direkt ins Glas. Gemeinsame Grundlage über alle Linien: Chardonnay, Pinot Nero und Pinot Bianco aus biozertifizierten Franciacorta-Lagen, Flaschengärung nach klassischer Methode, konsequenter Hefeausbau. Zu den Weinen passt: Risotto alla Milanese, gegrillter Wolfsbarsch, cremiger Ziegenkäse oder — bei dosagefreien Versionen — Austern und Meeresfrüchte.