Ein Jugendtraum wird zur Pionierarbeit: die Gründung von G.D. Vajra
Die Geschichte von G.D. Vajra beginnt 1968 in Turin, als der 15-jährige Aldo Vaira nach einem Schülerprotest auf das Gut seiner Großeltern im Weiler Vergne verbannt wird – dem höchstgelegenen Dorf der Gemeinde Barolo. Was als Strafe gedacht war, wurde zur Berufung. Aldo entschied, die Weinberge der Familie zu bewirtschaften, und gründete das Weingut formal 1972. Weil er noch minderjährig war, unterzeichnete sein Vater Giuseppe Domenico Vajra die Gründungspapiere – daher bis heute die Initialen G.D. im Namen. Anfang der 1980er Jahre kam Milena dazu, die Aldo seither als Partnerin im Weingut und im Leben begleitet. Heute führen die beiden das Gut gemeinsam mit ihren drei Kindern Giuseppe, Francesca und Isidoro – eine echte Familienstruktur über zwei Generationen.
2009 übertrug Luigi Baudana der Familie Vajra seine historischen Weinberge in Serralunga d'Alba – ein Vertrauensbeweis, der das Gut um bedeutende Lagen in einer gänzlich anderen Geologie erweiterte.
Biologischer Anbau als Haltung, nicht als Zertifikat
Bereits 1971 trat Aldo Vaira dem Verein Suolo e Salute bei und erlangte damit eine der frühesten Bio-Zertifizierungen im Piemont – lange bevor nachhaltiger Weinbau zum Trend wurde. Die Weinberge werden mit biologischen und biodynamischen Praktiken bewirtschaftet, die sich laut Familie nicht an einer Doktrin, sondern an der eigenen Erfahrung im Terroir orientieren. Seit den 1960er und 1970er Jahren setzt Vajra auf Selezione Massale – die Vermehrung der besten Einzelstöcke aus dem eigenen Weinberg, um genetische Vielfalt und Standortanpassung zu erhalten.
Im Keller arbeitet man mit Spontangärung durch wilde Hefen, langen Mazerationszeiten und einer Reifung, die dem jeweiligen Jahrgang und der Lage folgt. Geerntet wird ausschließlich von Hand, mit sorgfältiger Selektion direkt im Weinberg und am Sortiertisch. Aldo Vaira lehrte darüber hinaus jahrelang Weinbau an einer piemontesischen Schule – das prägt bis heute einen analytischen, handwerklich fundierten Ansatz im Weingut.
Kühl, präzise, vielstimmig: das Sortiment aus den Höhenlagen von Vergne
Vergne liegt auf 400 bis 480 Metern – das ist für Barolo-Verhältnisse ausgesprochen hoch. Die spätere Reife der Trauben auf den blaugrauen Mergelböden des Tortoniums ergibt Weine mit kühler Eleganz, lebendiger Säure und feinem Aromaprofil statt breiter Masse. Der Barolo Bricco delle Viole – aus Lagen, die die Familie seit dem 17. Jahrhundert bewirtschaftet – ist das bekannteste Gewächs: floral, mineralisch-salzig, mit langem Abgang. Die Crus Ravera und Coste di Rose stehen für zwei weitere Charaktere innerhalb der Appellation. Ergänzt wird das Sortiment durch Langhe Nebbiolo, Barbera, Dolcetto und Freisa – piemontesische Rebsorten, die bei Vajra ernsthaft und nicht als Nebenprodukt vinifiziert werden. Bemerkenswert ist zudem ein trockener Riesling Renano, seit 1985 gepflanzt und ein Beleg für die Neugier der Familie jenseits regionaler Konvention.
Wer die Weine von G.D. Vajra kennt, schätzt ihre Zurückhaltung: keine lauten Extraktionsnoten, keine schwere Eiche, sondern Weine, die Terroir und Jahrgang sprechen lassen. Dazu passen kräftige piemontesische Küche – Brasato al Barolo, Tajarin mit Trüffel, reifer Toma Piemontese – ebenso wie die ruhige Stille eines langen Abends.