Von zugekauften Trauben zu den besten Crus der Langhe
Riccardo Ceretto gründete die Ceretto Casa Vinicola in den 1930er Jahren in Alba — ohne eigene Weinberge, mit zugekauften Trauben. Den entscheidenden Schwenk vollzogen seine Söhne Bruno und Marcello: Ab den 1960er Jahren kartierten sie systematisch die besten Lagen der Langhe und des Roero und erwarben gezielt Weinberge in den gefragtesten Lagen von Barolo und Barbaresco. Ihr Denkmodell war das Burgund, wo einzelne Parzellen seit Jahrhunderten nach ihrem Charakter vinifiziert werden — damals ein ungewöhnlicher Ansatz im Piemont, wo die meisten Erzeuger noch auf Assemblage setzten. 1969 bis 1973 erwarben Bruno und Marcello mit Bricco Asili in Barbaresco ihren ersten eigenen Weinberg und bauten dort eine eigene Kellerei. Weitere Crus in Barolo folgten in den 1970er und 1980er Jahren. Heute umfasst das Gut vier Produktionsstätten in der Langhe und im Moscato-d'Asti-Gebiet.
1999 stieß die dritte Generation ins Unternehmen: Lisa, Roberta, Alessandro und Federico, Kinder von Bruno und Marcello, übernahmen schrittweise die Verantwortung. Alessandro absolvierte das Önologie-Studium in Alba und sammelte Erfahrungen in Weingütern weltweit, bevor er als Kellermeister zurückkehrte.
Biodynamie statt Zertifikat: Konsequenter Weinbau auf 160 Hektar
Die dritte Generation brachte einen grundlegenden Wandel im Weinberg. 2009 begann Alessandro Ceretto mit dem renommierten Berater Adriano Zago, zunächst die Nebbiolo-Crus in Barolo und Barbaresco auf biodynamischen Anbau umzustellen. Die Ergebnisse überzeugten so rasch, dass das Projekt auf das gesamte Gut ausgeweitet wurde: Ab dem Jahrgang 2015 sind alle Ceretto-Weinberge bio-zertifiziert, parallel dazu werden biodynamische Prinzipien auf allen 160 Hektar angewendet — auf eine formale Biodynamik-Zertifizierung verzichtet die Familie bewusst, um dem eigenen Stil Vorrang vor standardisierten Vorgaben zu geben. Im Weinberg setzt Ceretto auf minimale Bodenbearbeitung und den Anbau von Zwischenkulturen, um das Gleichgewicht zwischen Bodenstruktur, Mikroorganismen und organischer Substanz zu erhalten. Die Böden der Langhe-Hügel — kalkhaltig, mit grauen Mergeln und Sandschichten durchsetzt — und das kühle Kontinentalklima mit großen Tagestemperaturschwankungen während der Reife prägen den Charakter der Trauben maßgeblich.
Neben dem Weinbau hat die Familie Ceretto die Langhe als Kulturraum mitgeprägt: Das Drei-Sterne-Restaurant Piazza Duomo in Alba gehört ebenso zur Familienstruktur wie das Lokal La Piola mit piemontesischer Küche sowie Projekte zur zeitgenössischen Kunst.
Nebbiolo im Mittelpunkt — vom Cru-Barolo bis zum Langhe Arneis
Das Sortiment spiegelt die Bandbreite der Langhe wider. Im Zentrum stehen die großen Nebbiolo-Weine: Einzellagen-Baroli aus Crus wie Bricco Rocche, Brunate, Bussia und Cannubi San Lorenzo sowie Barbareschi aus Asili und Bernadot — Lagen mit klar unterschiedlichen Bodenstrukturen und entsprechend differenzierten Weinprofilen. Wer die weißere Seite der Ceretto-Weine kennenlernen möchte, findet sie im Blangé: Der Langhe Arneis DOC wächst im Roero auf der anderen Seite des Tanaro, wo sandigere Böden der Rebsorte Arneis bessere Bedingungen bieten als die schweren Mergel der Langhe. Daneben produziert Ceretto Barbera, Dolcetto, Nebbiolo d'Alba und einen Moscato d'Asti. Allen Weinen gemeinsam ist der Anspruch, das Terroir der jeweiligen Parzelle abzubilden — ein Grundsatz, den Bruno und Marcello einst gegen den Zeitgeist durchsetzten und den die dritte Generation konsequent weiterführt.