Von drei Hektar zur wichtigsten Vernaccia-Adresse der Toskana
1974 verließen Enrico Teruzzi und seine Frau Carmen Puthod ihr Leben in Mailand und erwarben drei Hektar Rebfläche am Fuß von San Gimignano – der mittelalterlichen Turmstadt, die seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Enrico war Ingenieur von Beruf, Winzer aus Überzeugung; Carmen brachte künstlerisches Gespür mit, das sich bis heute in der Handschrift des Hauses spiegelt. Von Anfang an holten die Gründer Rat bei Emile Peynaud, einem der einflussreichsten Önologen seiner Generation, und entschieden sich bewusst für die Vernaccia di San Gimignano – jene weiße Rebsorte, die 1966 als erster italienischer Wein überhaupt den DOC-Status erhielt und 1993 zur DOCG aufgewertet wurde. Über vier Jahrzehnte wuchs das Gut kontinuierlich, bis es zur größten Einzelproduzentin der Appellation wurde. 2016 übernahm die Moretti-Familie das Weingut über ihre Holding Terra Moretti – ein Konzern, dem auch Bellavista und Contadi Castaldi in der Franciacorta angehören. Die Wurzeln und die Ausrichtung auf San Gimignano blieben dabei unangetastet.
Wirtschaften auf marinem Urzeitboden
Das Gut umfasst heute 180 Hektar, davon 96 unter Reben, eingebettet in Olivenhaine und Wälder rund um San Gimignano. 60 dieser Weinberg-Hektar sind der Vernaccia vorbehalten – die größte zusammenhängende Vernaccia-Bepflanzung der Toskana. Die Böden sind marinen Ursprungs aus dem Pliozän: gelbe Sande und Tone, die je nach Parzelle stark variieren und der Vernaccia-Rebe – empfindlicher für Bodenunterschiede als die meisten anderen Sorten – präzise Terroir-Signaturen mitgeben. Neben Vernaccia wachsen auf dem Gut Trebbiano, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Sangiovese und Merlot.
Unter der Moretti-Familie wurde das Programm für den Weinbau konsequent ausgebaut und mit dem Equalitas-Zertifikat belegt. Chemische Düngemittel und Herbizide sind abgeschafft; stattdessen arbeitet das Team mit Gründüngung und kompostiert Trester und Stiele aus der eigenen Ernte. Pflanzenschutzmittel wurden um rund 50 Prozent reduziert, und durch spezielle Rückgewinnungssprühgeräte – sogenannte atomizzatori da recupero – spart das Weingut etwa die Hälfte des Bewässerungswassers ein.
Vernaccia als Leitwein – und Sangiovese als roter Gegenpol
Das Sortiment dreht sich um die Vernaccia di San Gimignano DOCG: frisch, mineralisch, mit feiner Bitternote im Abgang – ein Weißwein, der in einer toskanischen Rotwein-Landschaft seinen eigenen Platz behauptet. Mit der Terre di Tufi, einem weißen Blend aus Vernaccia, Chardonnay und Trebbiano, schrieb Teruzzi früh Geschichte: Der Wein gilt als erster weißer „Super Tuscan" überhaupt. Auf der roten Seite steht der Peperino, ein Toskana Rosso aus Sangiovese und Merlot, der die Wärme der sienesischen Hügel mit zugänglicher Struktur verbindet. Die Weine entstehen im Zusammenspiel von Edelstahl und Holz, ausgerichtet auf Klarheit und Herkunftstreue statt auf Extraktion. Wer die Toskana jenseits der großen Chianti-Namen kennenlernen möchte, findet bei Teruzzi eine präzise, handwerklich konsequente Antwort auf die Frage, was diese Landschaft aus der Vernaccia-Traube herausholen kann.