Seit 1641 in Oestrich: Eine Familienlinie, die den Rheingau prägt
Das Weingut Josef Spreitzer zählt zu den ältesten Weinbaubetrieben in Oestrich-Winkel. Die ersten belegten Wurzeln reichen bis ins Jahr 1641 zurück. Über Generationen blieb der Betrieb in Familienhand: Josef Spreitzer, Namensgeber des heutigen Guts, war Enkel des Gründers der Linie Heinrich Spreitzer und zunächst Gutsverwalter im Weingut Hess — wo er 1920 eine legendäre Trockenbeerenauslese mit 303 Grad Oechsle erntete, bis 2003 Rekordmostgewicht im Rheingau. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Bernhard Spreitzer das Ruder, baute den Betrieb aus und erschloss internationale Märkte. 1983 erhielt er den Staatsehrenpreis als bester Winzer des Jahres. Seit 1997 führen seine Söhne Andreas und Bernd Spreitzer das Gut gemeinsam: Andreas als Kellermeister und Leiter des Außenbetriebs, Bernd als kaufmännischer Direktor und akribischer Verkoster. Das Weingut ist Mitglied im VDP seit 1999 und Teil der Rheingauer Charta, die den Riesling als Kulturgut der Region schützt.
Naturnaher Weinberg, Schwerkraft im Keller
Rund 35 Hektar bewirtschaftet die Familie heute, verteilt auf erstklassige Lagen in Oestrich, Winkel, Hattenheim und Hallgarten — darunter mehrere VDP.Grosse Lagen wie Doosberg, Lenchen, Rosengarten, Sankt Nikolaus, Wisselbrunnen, Schönhell und Jesuitengarten. Die Böden wechseln zwischen tiefgründigem Lehm, Löss, Ton und Quarzitadern. Rund 95 Prozent der Rebfläche trägt Riesling, der Rest Spätburgunder.
Der Anbau folgt einer naturnahen Philosophie ohne Überdüngung oder unnötige Behandlungen: Jede zweite Rebzeile ist begrünt, im Winter wird Korn eingesät, um das Kleinklima zu regulieren. Die Reben werden bewusst gering angeschnitten, um die Erträge pro Stock zu begrenzen und physiologische Reife zu fördern. Gelesen wird ausschließlich von Hand. Im Keller — einem Gewölbekeller aus dem Jahr 1743, der bis heute in Betrieb ist — setzt das Weingut auf Schwerkraft statt Pumpen: ein schonender Ausbau, der die Frucht der Trauben schützt. Die Gärung erfolgt je nach Wein langsam im Holzfass oder im temperaturkontrollierten Edelstahltank.
Filigran und konzentriert zugleich: der Spreitzer-Stil
Was die Weine von Spreitzer auszeichnet, lässt sich am besten mit einem Zitat von Bernd Spreitzer selbst beschreiben: „Unsere Weine sollen filigran und konzentriert zugleich sein — ein Drahtseilakt." Klare Frucht, lebendige Säure, feine Mineralität und ein Alkoholniveau, das Leichtigkeit bewahrt, ohne Tiefe zu opfern — das ist die Handschrift des Guts. Die Grosse-Gewächse aus dem Doosberg und dem Lenchen-Rosengarten gelten als präziseste trockene Rieslinge der Region. Der Hallgartener Hendelberg, als höchstgelegene Einzellage des Guts, bringt eine karge, puristische Mineralität ins Glas. Die Wisselbrunnen-Weine aus Hattenheim überzeugen mit einer frischen, terroirbetonten Eigenart. Ergänzt wird das Sortiment durch einen traditionell im Stückfass ausgebauten Charta-Riesling mit langem Reifepotenzial sowie einen Riesling Sekt Brut und Weißweine aus Chardonnay, Weißburgunder und Grauburgunder. Das Spektrum reicht vom zugänglichen Gutswein bis zum lagerfähigen Grossen Gewächs — und spiegelt die gesamte Breite des Rheingauer Terroirs wider.