Vom Champagner-Kellermeister zum Pionier der österreichischen Schaumweinkultur
Robert Alwin Schlumberger, 1814 in Stuttgart geboren, arbeitete sich bei Ruinart in Reims – dem ältesten Champagnerhaus der Welt – zum Kellermeister und Produktionsleiter hoch. Eine Rheinreise brachte ihn 1841 mit der Wienerin Sophie Kirchner zusammen; ein Jahr später folgte er ihr nach Österreich und gründete 1842 das Haus Schlumberger. Er war damit der erste Produzent außerhalb Frankreichs, der konsequent nach der Méthode Traditionnelle arbeitete – die Zweigärung in der Flasche, das handwerkliche Rütteln, das Degorgieren: alles direkt aus der Champagne importiertes Handwerk.
Der Erfolg kam rasch. Mit dem „Sparkling Vöslauer" – benannt nach den gepachteten Weingärten in Bad Vöslau – avancierte Schlumberger zum Lieblingsgetränk der Wiener Gesellschaft. Bei der Weltausstellung 1862 in London schaffte es der Schaumwein auf die Weinkarte der Königin; kurz darauf folgte die Ernennung zum k.u.k. Hoflieferanten. 1878 wurde Robert Alwin Schlumberger in den erblichen Adelsstand als „Edler von Goldeck" erhoben. Über vier Generationen blieb das Haus im Familienbesitz, bevor es 1973 an das deutsche Familienunternehmen Underberg überging – mit der vertraglichen Zusicherung, ausschließlich österreichische Trauben und die Méthode Traditionnelle beizubehalten.
Kellerwelten in Döbling, Grundweine aus Niederösterreich und dem Burgenland
Das Herzstück des Hauses sind die unterirdischen Kellerwelten in Wien-Döbling, Heiligenstädter Straße. Die weitläufigen Gänge – teilweise über 300 Jahre alt und einst von Karl Ritter von Ghega, dem späteren Erbauer der Semmeringbahn, ausgebaut – erstrecken sich über 2,4 Kilometer. Mehrere Millionen Flaschen reifen hier im Dunkeln unter gleichbleibenden Temperaturbedingungen. Unternehmensführung und historische Kellerwelten bleiben in Wien-Heiligenstadt; die eigentliche Sektproduktion und Abfüllung übersiedelte 2025 in eine neue Anlage im burgenländischen Müllendorf.
Die Grundweine liefern ausschließlich österreichische Vertragswinzer aus Niederösterreich und dem Burgenland, die nach Schlumberger-Qualitätsstandards arbeiten und regelmäßig kontrolliert werden. Das Assemblieren unterschiedlicher Grundweine zur Cuvée ist der entscheidende Schritt: Er sichert Jahrgang für Jahrgang den typischen Geschmack des Hauses. 1994 wurde Schlumberger als erste Sektkellerei im deutschsprachigen Raum nach ISO 9001 zertifiziert – ein Qualitätsmanagement, das schon bei der Traube beginnt.
Mindestens zwölf Monate auf der Hefe – Sortiment entlang der österreichischen Sekt-Pyramide
Jede Flasche Schlumberger reift mindestens zwölf Monate auf der Hefe; die Reserve- und Große-Reserve-Linien liegen noch länger im Keller. Das handwerkliche Rütteln sammelt die Hefe im Flaschenhals, das Degorgieren entfernt sie präzise – der Kellereipunkt auf dem Flaschenboden ist das sichtbare Qualitätszeichen für diese Methode. Das Ergebnis sind feinperlende Schaumweine mit klarer Frucht, lebendiger Säurestruktur und cremiger Perlage.
Das Sortiment reicht von der klassischen Sparkling-Brut-Linie – darunter ein rebsortenreiner Grüner Veltliner – über elegante Rosé-Cuvées bis zu den gehobenen Grande-Prestige-Abfüllungen nach Méthode Traditionnelle. Damit deckt Schlumberger alle Stufen der österreichischen Qualitätspyramide für Sekt g.U. ab. Ob als Aperitif, zur Tafel oder beim Wiener Opernball: der Schaumwein aus Wien-Döbling hat eine kulturelle Selbstverständlichkeit erreicht, die kein anderes österreichisches Haus für sich beanspruchen kann.