Von der Hauerinnung 1447 zur größten Weingenossenschaft Österreichs
Die Geschichte der Winzer Krems reicht tiefer als das Gründungsjahr der Genossenschaft vermuten lässt. Ihre Wurzeln liegen in der Hauerinnung Krems und Stein, die 1447 erstmals urkundlich erwähnt wurde und als älteste Hauerzunft im deutschsprachigen Raum gilt. Die Winzergenossenschaft selbst wurde am 3. Juli 1938 gegründet, mit Sitz in der Sandgrube 13 in Krems an der Donau — einer Adresse, die seither für die Kremser Weinkultur steht. Die Genossenschaft hat sich der Aufarbeitung der Umstände ihrer Gründung gestellt: Ein von unabhängigen Historikern erstellter wissenschaftlicher Endbericht dokumentiert, wie Teile des heutigen Betriebsgeländes in der NS-Zeit dem jüdischen Weinhändler Paul Robitschek und seiner Mutter Johanna zwangsentzogen wurden. Mit einer Gedenktafel am Gelände setzt die Genossenschaft ein sichtbares Zeichen dieses Gedenkens. Heute vereint die Winzer Krems eG rund 600 Mitgliedswinzer, die gemeinsam 1.200 Hektar Vertragsrebfläche im Kremstal und den angrenzenden Gebieten Wachau, Kamptal, Traisental und Wagram bewirtschaften — und ist damit Österreichs größter Qualitätsweinproduzent.
Zertifizierung nach „Nachhaltig Austria" und präzise Kellertechnik
Jeder Mitgliedsbetrieb arbeitet nach verbindlichen Richtlinien für Rebschnitt, Bodenbearbeitung, Laubarbeit und Pflanzenschutz. Gezielte Ertragsreduzierung steht im Mittelpunkt: Nur physiologisch reife, gesunde Trauben werden nach einem strikten Leseplan, sortiert nach Sorten, Qualitätsstufen und Herkünften, ausschließlich handgelesen angeliefert. Im Keller folgt eine schonende Ganztraubenpressung mit pneumatischen Pressen, anschließend temperaturkontrollierte Vergärung und Ausbau, der auf Sortentreue und Frische ausgerichtet ist. Ab 2019 investierte die Genossenschaft umfassend in zwei neue Keller, eine neue Abfüllanlage und ein neues Flaschenlager in der Sandgrube 13 — nach eigenen Angaben die größte Investition der Unternehmensgeschichte. Konsequenz dieser Modernisierung war auch die Zertifizierung nach „Nachhaltig Austria" ab Jahrgang 2022: Ein unabhängiges Kontrollverfahren, das rund 360 Maßnahmen in neun Bereichen — darunter Klima, Energie, Boden, Biodiversität und Wasser — prüft. Fernwärme statt Gas, ein begrüntes Gründach und eine Photovoltaikanlage für Keller und Abfüllung sind konkrete Umsetzungsschritte. Alle Mitgliedsbetriebe wurden in den Zertifizierungsprozess eingebunden.
Grüner Veltliner, Riesling und ein breites Spektrum vom Kremser Löss und Urgestein
Das Sortiment spiegelt die natürlichen Verhältnisse des Kremstals: Löss und Urgestein prägen die Böden, warme pannonische Luft aus dem Osten bringt Reife, kühle Nächte aus dem nahen Waldviertel erhalten die Säurestruktur. Der Grüner Veltliner — mit rund 57 % Rebflächenanteil die dominierende Sorte — zeigt hier seine klassische Handschrift: pfeffrige Würze, lebhafte Säure, Frucht von Apfel und Birne bis hin zu tropischen Noten, je nach Lage. Die wichtigsten Lagen der Mitgliedsbetriebe sind Kremser Sandgrube, Kremser Goldberg, Kremser Wachtberg, Kremser Kremsleiten und Kremser Kreuzberg. Riesling (rund 7 % Rebfläche) aus den Steillagen zeigt sich präziser und mineralischer, mit straffem Säurerückgrat. Blauer Zweigelt ergänzt das Sortiment auf der Rotweinflanke mit Kirschfrucht und samtiger Struktur. Die Kollektion ist klar gestaffelt: von den zugänglichen Einstiegsweinen der Linie „Sandgrube 13" über die charaktervollen Kellermeister-Privat-Lagenweine bis zu den dichten Reserven der Edition Chremisa. Dazu kommen der alkoholfreie Grüne Veltliner, ein biozertifizierter Grüner Veltliner sowie der für das Kremstal typische Donauriesling — ein Sortiment, das die stilistische Bandbreite einer ganzen Region abdeckt.