Vom holländischen Unternehmergeist zum Pionier des Valle de Uco
Die Geschichte von Bodegas Salentein beginnt mit einem Umweg. Mijndert Pon, Sohn einer niederländischen Unternehmerfamilie, die ihr Vermögen mit dem Import von Volkswagen aufgebaut hatte, wollte eigentlich die Welt umsegeln. Ein Unfall im Panamakanal veränderte seine Pläne – und schließlich seine Biografie grundlegend. Auf einem Jagd- und Fischereiausflug in Argentinien entdeckte er das Valle de Uco, eine damals kaum erschlossene Hochlandregion südlich von Mendoza. 1996 kaufte Pon das heutige Anwesen und begann, Weinberge zu pflanzen. Ein Jahr später setzte er die ersten Malbec-Reben auf 1.300 Metern Höhe – zu diesem Zeitpunkt ein Novum im gesamten Valle de Uco. Den Grundstein der heutigen Kellerei legte er 1998. Was folgte, war kein schrittweises Wachsen, sondern ein konsequentes Projekt: Salentein definierte mit, was das Valle de Uco heute ist – Argentiniens bekannteste Weinregion für hochwertige, terroirgeprägte Weine.
Das Weingut blieb seither im Besitz der Familie Pon. Aus dem ersten Jahrgang 1999 wurde eine Bodega, die heute zu den meistdiskutierten Adressen Südamerikas zählt und 2023 unter die World's Best Vineyards gewählt wurde.
Kreuzförmige Kellerei, schwere Böden, kühle Nächte
Der Baukörper der Bodega ist kein Zufall: Das kreuzförmige Gebäude – entworfen vom argentinischen Architekturbüro Bormida & Yanzón – ist auf Gravitationsvinifikation ausgelegt. Jeder der vier Flügel verfügt über eigene Edelstahltanks und französische Eichenfässer im Erdgeschoss; der Untergrund ist dem Ausbau in Barriques auf Natursteinböden vorbehalten. Durch das Schwerkraftprinzip werden Pumpen weitgehend vermieden, was die Trauben und den Most schonender behandelt. Diese Entscheidung steht exemplarisch für den Anspruch des Hauses: Qualität durch Sorgfalt, nicht durch Interventionen.
Die rund 800 Hektar eigene Weinberge liegen ausschließlich im Valle de Uco, verteilt auf Höhen zwischen 1.050 und 1.700 Metern. Die Böden sind karg – steiniger Alluvialschwemmboden mit geringem organischem Anteil –, was die Wurzeln zwingt, tief zu graben. Die Temperaturdifferenz zwischen Tag und Nacht ist ausgeprägt: tagsüber intensive Andensonne, nachts ein starkes Abkühlen durch Bergwinde. Das Ergebnis sind Trauben mit dichtem Fruchtmark und stabiler natürlicher Säure, die auch ohne Korrektur im Keller Frische behält. Die gesamte Lese erfolgt von Hand.
Vinifikator des Hauses ist José Galante, den viele als „Vater des modernen argentinischen Malbec" bezeichnen. Nach 34 Jahren als Chefönologe bei Catena Zapata wechselte er 2010 zu Salentein. Sein Ansatz: Fruchtaromen und -struktur durch sanfte Gärführung und den gezielten Einsatz von Eichenholz erhalten – ohne die Eigenheit der Rebsorte oder des Bodens zu überdecken. Für Galante ist die natürliche Säure des Valle de Uco kein Problem, das gelöst werden muss, sondern das entscheidende Qualitätsmerkmal dieser Höhenlage.
Malbec, Cabernet Franc und die Tiefe des Hochlands
Das Sortiment von Salentein spannt sich von zugänglichen Einstiegsweinen bis zu lagerfähigen Prestige-Cuvées. Der Portillo Malbec steht für den unkomplizierten, fruchtbetonten Stil des Tales: dunkelberige Aromen, weiches Tannin, direkter Abgang – ein Alltagswein mit klarer Herkunftssprache. Die Barrel Selection-Linie vertieft diesen Ansatz mit Ausbau in französischer Eiche: Der Cabernet Franc zeigt die für die Höhenlage typische Kräuterwürze und feine Struktur, der Chardonnay bleibt trotz Fassreifung von frischer Zitruslinie geprägt. Malbec und Cabernet Sauvignon aus dieser Serie überzeugen durch dichte Frucht und tragfähige Tannine. An der Spitze steht das Numina Gran Corte, eine Assemblage der besten Parzellen des Anwesens, die den Anspruch des Hauses auf Terroirinterpretation am deutlichsten formuliert.
Wer Salentein versteht, versteht auch, wie das Valle de Uco seine Weine prägt: kühl, präzise, mit einer Mineralität, die aus dem Andenstein kommt, und einer Frucht, die in dieser Höhe langsam, aber konzentriert reift.