Von der Pionierexpedition zum Hochlagen-Maßstab
Die Geschichte von Terrazas de los Andes beginnt Anfang der 1990er-Jahre, als der französische Agrarwissenschaftler und Önologe Hervé Birnie-Scott von Moët Hennessy nach Argentinien entsandt wurde – mit dem Auftrag, Mendozas Potenzial für Stillweine zu erschließen, die das Schaumweinhaus Chandon Argentina ergänzen sollten. Bewaffnet mit einem alten Höhenmesser erkundete er die Andenhänge, lange bevor die argentinische Weinszene die Kraft der Höhe kannte. 1992 begannen die ersten Bepflanzungen in Gualtallary, 1996 wurde die Bodega offiziell gegründet – im restaurierten La-Perla-Weingut in Perdriel, Luján de Cuyo, das auf eine spanische Anlage aus dem Jahr 1898 zurückgeht. Heute gehört Terrazas de los Andes zum LVMH-Konzern und steht unter der Leitung von Estate Director Lucas Löwi mit einem Team, das die Pionierarbeit der Gründerjahre konsequent weiterführt.
Höhe als Handwerk: Terroir, Wasser und regenerativer Weinbau
Das Herzstück der Arbeit von Terrazas ist ein Mosaik aus über 200 einzelnen Hochlagenparzellen auf rund 500 Hektar – verteilt über Luján de Cuyo und das Uco Valley, zwischen 980 und 1.650 Metern über dem Meeresspiegel. Das Weingut war das erste in Argentinien, das Tröpfchenbewässerung einführte, und bewässert heute alle Lagen präzise mit Gletscherwasser aus den Anden. Auf einem Großteil der Rebfläche wird ohne Herbizide gearbeitet, mehr als die Hälfte davon ist biologisch zertifiziert. Der Begriff „Guardians of Mountain Life" fasst das Selbstverständnis zusammen: das fragile Ökosystem der Hochanden schützen, nicht nur nutzen. Terrazas ist zudem Mitbegründer des Programms „Glaciers for Life" zum Erhalt der andinen Wasserreserven.
Die Philosophie dahinter ist klar: Mit steigender Höhe sinken Nachttemperaturen, die Sonnenstrahlung wird intensiver und die thermische Amplitude wächst – das verlangsamt die Reife, schärft die Aromatik und sorgt für natürliche Frische im Wein. Jede Lage bringt eigene Böden mit: sandiger Lehm mit Kies in Los Aromos, schwere Böden mit alter Rebstruktur in Las Compuertas, vulkanische Böden im höchsten Weinberg El Espinillo in Gualtallary auf 1.650 Metern.
Malbec, Cabernet und mehr: was die Weine von Terrazas ausmacht
Im Sortiment findest du Weine aus den bedeutendsten Rebsorten Mendozas – Malbec und Cabernet Sauvignon als Kerne, dazu Chardonnay. Das Flaggschiff Grand Malbec entsteht aus einer Assemblage der besten Hochlagenparzellen: Las Compuertas (1.070 m), Los Castaños in Paraje Altamira (1.100 m) und Licán in Los Chacayes (1.200 m). Der Ausbau erfolgt in französischen Eichenholzfässern. Das Ergebnis: dunkle Frucht, feste, aber polierte Tannine, belebende Säure und ein langer Abgang – kein schwerfälliger Blockbuster, sondern ein Malbec mit Kontur. Der Cabernet Sauvignon aus Los Aromos zeigt die kontinentale Prägung der Perdriel-Böden: kräuterig, strukturiert, mit Tiefe. Der Chardonnay spiegelt die mineralische Kühle der Hochlagen wider. Wer Argentinien jenseits der warmen Talboden-Stilistik kennenlernen möchte, findet hier Weine, die zeigen, was Höhe und konsequenter Terroir-Fokus aus einer der bekanntesten Weinregionen Südamerikas herausholen können.