Von Carcassonne in die Wüste Argentiniens: die Bousquet-Geschichte
Die Familie Bousquet kommt aus Carcassonne im Süden Frankreichs, wo sie seit Generationen Wein macht. Als Jean Bousquet 1990 das Gualtallary-Tal im Tupungato-Distrikt des Uco Valley besuchte, sah er dort, wo andere nur Wüste wahrnahmen, ein außergewöhnliches Terroir: sandige Böden, trockene Luft, kühle Nächte, unberührtes Land. 1997 kaufte er das Grundstück, zog von Frankreich nach Argentinien und begann, auf jungfräulichem Boden Reben zu pflanzen — ohne Straßen, ohne Strom, ohne Wasserversorgung. Ein frühes Wagnis, das sich als wegweisend erweisen sollte.
Den nächsten Schritt machte die zweite Generation: Tochter Anne Bousquet und ihr Mann Labid Al Ameri übernahmen 2011 die volle Verantwortung für das Weingut. Anne hatte zuvor als Wirtschaftswissenschaftlerin gearbeitet, Labid als Finanzfachmann — zusammen brachten sie kaufmännisches Denken in ein bis dahin handwerklich geführtes Familienunternehmen. Ein früher Durchbruch gelang 2006, als Schweden 250.000 Liter Domaine Bousquet für sein nationales Bio-Weinsortiment bestellte und damit die internationale Präsenz des Weinguts begründete.
Biodynamisch, regenerativ, sozial verankert: der Weg über Bio hinaus
Biologischer Anbau war für die Bousquets von Anfang an keine Zertifizierungsstrategie, sondern eine Selbstverständlichkeit. Die sandigen, phylloxeraresistenten Böden Gualtallaryos ließen organisches Arbeiten von Beginn an zu — ohne Pestizide, ohne synthetische Düngemittel, nur mit natürlichem Kompost. Heute ist das 240-Hektar-Gut in Tupungato biodynamisch nach Demeter zertifiziert und als erstes Weingut außerhalb der USA mit dem Regenerative Organic Certified (ROC)-Siegel ausgezeichnet worden.
Nachhaltigkeit endet für Anne und Labid nicht an der Weinberggrenze. 70 Prozent der rund 180 Mitarbeitenden stammen aus der lokalen Gemeinde Tupungato; das Programm „Enlazados" bietet in Kooperation mit der Gemeindeverwaltung Berufsausbildung für Langzeitarbeitslose. Die Bewässerung der Reben erfolgt ausschließlich über ein Tropfsystem mit Schmelzwasser aus den Anden — bei kaum 20 Zentimeter Jahresniederschlag eine präzise Notwendigkeit, die zugleich den niedrigen pH-Wert der Beeren und damit ihre natürliche Säurestruktur sichert.
Hochlagenfrucht mit französischer Präzision: was die Weine prägt
Die Weinberge liegen auf 1.200 Metern Höhe, wo der Tag-Nacht-Temperaturunterschied bis zu 15 Grad Celsius beträgt. Diese Thermik verlangsamt die Reife, erhält die Säure und baut Aromakomplexität auf. Die Böden — sandig, kalkhaltig, stellenweise steinig — zwingen die Reben zur Tiefe und halten die Erträge natürlich niedrig. Die Lese erfolgt ausschließlich von Hand. Rodrigo Serrano Alou, seit 2019 Kellermeister, hat zuvor unter anderem bei Chandon Argentinien und in Napa Valley gearbeitet; er übersetzt das Terroir in eine klare, fruchtbetonte Stilistik mit guter Struktur.
Im Sortiment bei uns findest du Malbec in drei Ausprägungen — von der zugänglichen Basisversion bis zur Grande Réserve — sowie Cabernet Sauvignon und Chardonnay jeweils als Standard- und Reserve-Abfüllung. Allen Weinen gemeinsam: dunkle, konzentrierte Frucht, lebendige Säure und der klare Fingerabdruck eines Hochlagen-Terroirs, das ohne chemischen Eingriff auskommt.