Vom Künstler-Gründer zur Referenzadresse am Douro
Adriano Ramos Pinto war 21 Jahre alt, als er 1880 in Vila Nova de Gaia sein Haus gründete — auf der anderen Seite des Flusses, genau gegenüber von Porto, wo die großen Portweinkeller seit Jahrhunderten reifen. Der junge Unternehmer war selbst in Künstlerkreisen verwurzelt und verstand früh, dass Qualität und Kommunikation zwei Seiten derselben Medaille sind. Seine plakativen Werbeposter, von portugiesischen und internationalen Künstlern gestaltet, machten die Marke in ganz Europa sichtbar — und vor allem in Brasilien, wo Ramos Pinto bis in die 1920er-Jahre rund die Hälfte aller eigenen Importe auf sich vereinte. 1896 holte Adriano seinen Bruder António, einen Fotografen, als Mitgesellschafter ins Unternehmen. Das Haus wuchs über Generationen; 1990 trat Ramos Pinto der Maison Louis Roederer bei — einer Champagner-Dynastie, die für ihre konsequente Qualitätspolitik bekannt ist. Seither stärkt die Gruppe die Investitionen in Weinberge und Kellertechnik, ohne den historischen Charakter des Hauses anzutasten.
Vier Quintas, ein Grundsatz: kein fremdes Lesegut
Ramos Pinto hat früh auf Selbstversorgung gesetzt und bezieht sämtliche Trauben ausschließlich aus eigenen Lagen. Die vier Quintas verteilen sich auf zwei Suberegionen des Douro mit grundlegend unterschiedlichen Bedingungen: Quinta do Bom Retiro und Quinta da Urtiga liegen im Cima Corgo auf Schiefer-Terrassen; dort befindet sich auch das zentrale Vinifikationszentrum. Im Douro Superior, dem heißeren, trockeneren Oberlauf des Flusses, erstreckt sich die Quinta de Ervamoira auf über 200 Hektar — mit Lagen zwischen 110 und 340 Metern Höhe. Die Quinta dos Bons Ares schließlich liegt auf Granitböden in deutlich kühlerer Höhenlage, was ihr eine aromatische Frische gibt, die die anderen Güter nicht liefern können. Diese Kombination aus Schiefer und Granit, aus Hitze und Höhenkühle, erlaubt es dem Haus, alle klassischen Portstile mit eigener Rohstoffbasis abzubilden. João Nicolau de Almeida hat als langjähriger Kellermeister die Vinifikation entscheidend geprägt: Er trieb die Erforschung autochthoner Rebsorten im Douro voran und entwickelte gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern ein systematisches Programm zur Sortenselektion — Grundlagenarbeit, die das Verständnis des gesamten Anbaugebiets bis heute beeinflusst.
Portwein in allen Spielarten, Douro-Stillwein als zweite Stärke
Das Sortiment bei Ramos Pinto spannt den Bogen vom zugänglichen Fine Tawny bis zum gereiften Aged Tawny — letzterer in 10-, 20- und 30-jährigen Abfüllungen aus dem oxidativen Ausbau in kleinen Holzfässern. Ruby- und Late-Bottled-Vintage-Stile ergänzen das Portfolio auf der fruchtbetonten Seite; die White-Port-Linie, darunter ein 20 Jahre alter Weißer, steht für die aromatische Bandbreite des Hauses. Alle Ports werden im Vinifikationszentrum auf den Quintas angesetzt — Gärung, Aufspritung, erste Reifung — bevor die Fässer in die historischen Lagerkeller nach Vila Nova de Gaia gebracht werden, wo die Oxidationsreifung unter kontrollierten Bedingungen fortgesetzt wird. Seit 1990 produziert das Haus unter dem Label Duas Quintas außerdem trockene Stillweine mit Douro-DOC-Appellation: ein weißer und ein roter Cuvée aus Cima-Corgo- und Douro-Superior-Lagen, die zeigen, dass das Rohstoff-Know-how des Hauses weit über den Portwein hinausreicht.