Von der fahrbaren Brennanlage zur Weltklasse-Destillerie
Die Geschichte von Nonino Distillatori beginnt 1897, als Orazio Nonino in Ronchi di Percoto, einem Ortsteil von Pavia di Udine im nordostitalienischen Friaul, die erste feste Destillerie der Familie gründete. Zuvor hatte die Familie ihre Brennanlage auf Rädern von Hof zu Hof gefahren, um die Trester der friaulischen Winzer direkt vor Ort zu brennen. Der Schritt zu einem festen Standort war mehr als logistisch: Er legte das Fundament für eine handwerkliche Philosophie, die vier Generationen später die Grappa-Welt umkrempeln sollte.
Den entscheidenden Wendepunkt markiert der 1. Dezember 1973. Benito Nonino und seine Frau Giannola destillierten an diesem Tag erstmals den Trester der Picolit-Traube sortenrein und schufen damit den Monovitigno® Nonino — die erste Grappa der Welt aus einer einzelnen Rebsorte. Um die Winzer zu überzeugen, zahlte die Familie einen Aufpreis dafür, dass der Picolit-Trester getrennt von den übrigen Trauben gehalten wurde. Das Ergebnis — eine aromatisch präzise, elegante Grappa — veränderte dauerhaft, wie Italiens bekannteste Spirituose produziert und wahrgenommen wird. 1984 folgte die nächste Innovation: die Acquavite d'Uva ÙE®, ein Tresterbrand aus der ganzen Traube, der erst nach einem speziellen Ministerialdekret produziert werden durfte. Heute führen die drei Töchter Cristina, Antonella und Elisabetta sowie Enkelin Francesca Bardelli Nonino das Unternehmen weiter — mittlerweile in der sechsten Generation.
Handwerk ohne Abkürzungen: Frischer Trester, Kupferkessel, versiegelter Keller
Das Herzstück der Produktion ist der unmittelbare Umgang mit dem Rohmaterial. Nonino verarbeitet ausschließlich frischen, entrappten Trester, der noch am Tag der Weinbereitung in die Destillerie gebracht wird. Industrielle Durchlaufanlagen lehnt die Familie konsequent ab: Alle Destillate entstehen in diskontinuierlichen Kupferkesseln — fünf traditionelle Brennereien mit insgesamt 66 handwerklichen Chargenanlagen stehen dafür auf dem Gelände in Percoto. Weil jede Charge einzeln geführt wird, kann die Familie Vor- und Nachlauf präzise abtrennen und das aromatische Herzstück bewahren.
Die Reifung der Riserva- und Barrique-Abfüllungen erfolgt unter staatlicher Versiegelung — ein offizieller Beamter der Zoll- und Monopolbehörde öffnet die Keller, wenn Fässer entnommen werden. In den Kellern lagern 2.400 Barriques und Kleinfässer aus Limousin-, Nevers- und Grésigne-Eiche sowie Sherryfässer, ohne Farbstoffzusatz. Das Engagement der Noninos geht über die Destillerie hinaus: 1975 gründeten Benito und Giannola den Preis Risit d'Aur, um bedrohte autochthone Rebsorten Friauls — darunter Schioppettino, Pignolo und Tazzelenghe — zu erhalten und deren Wiederanpflanzung politisch durchzusetzen.
Sortenreine Grappa, gereifte Riserven, handgeblasene Flaschen
Das Sortiment von Nonino dreht sich um die Idee, dass eine Grappa die Persönlichkeit ihrer Ursprungsrebsorte abbilden soll. Die Monovitigno®-Linie umfasst unter anderem Moscato, Chardonnay und Picolit — jede Abfüllung aus sortenreinem Trester, der die typischen Terpenaromen der jeweiligen Rebsorte in den Brand überträgt. Wer mehr Tiefe und Komplexität sucht, findet sie in den Barrique-Reifungen und der Antica Cuvée Riserva, einer Assemblage aus Grappas verschiedener Jahrgänge, die zwischen fünf und zwanzig Jahren in unterschiedlichen Holzfässern lagern. Das Aromenprofil reicht je nach Abfüllung von blumig-fruchtiger Frische bis zu Noten von Vanille, getrockneten Früchten und dunkler Schokolade im langen Abgang.
Für besondere Abfüllungen — allen voran die ÙE® Cru Monovitigno® Picolit — arbeitet Nonino seit Jahrzehnten mit Venini aus Murano zusammen: Die Flaschen werden von Hand geblasen, nummeriert und mit dem jeweiligen Jahrgang versehen. Die Gran Riserva 27 Years wurde als erstes italienisches Destillat beim Falstaff Spirit Trophy mit 100 Punkten bewertet. Trinktemperatur: 10–14 °C, für gereifte Riserven gerne etwas wärmer, damit sich die Holznoten entfalten.