Vom Önologen zum Langhe-Pionier: die Geschichte der Familie Molino
Mauro Molino studierte Önologie in Alba und sammelte anschließend fünf Jahre Kellerpraxis in der Emilia-Romagna. Als sein Vater 1979 starb, kehrte er in die Langhe zurück, übernahm die geerbten Rebparzellen in Annunziata di La Morra und begann gleichzeitig als Berater für regionale Landwirtschaftsverbände zu arbeiten. 1982 brachte er den ersten Barolo aus der Lage Conca in die Flasche — dem muschelförmigen Weinberg in der Conca dell'Annunziata, der zum Herzstück des Betriebs werden sollte. In den 1990er Jahren erweiterte Mauro den Betrieb gezielt: Er erwarb Parzellen in Berri, an der Westflanke von La Morra, und entwickelte weitere Einzellagen-Barolos. Schritt für Schritt wuchs das Weingut zu einem Referenzbetrieb der Appellation heran — zu einer Zeit, als die Diskussion um Klassik und Moderne die gesamte Region bewegte.
Heute führt die zweite Generation das Unternehmen weiter. Sohn Matteo, ebenfalls Absolvent der Weinbauschule Alba, stieß 2003 dazu und übernahm die Weinbereitung. 2008 folgte Tochter Martina, die für Kommunikation und internationalen Vertrieb verantwortlich ist. Gründer Mauro bleibt dem Betrieb verbunden; nach seinen eigenen Worten hat ihm die Weinbereitung Wissen und Expertise beschert, «die Etiketten meines Namens bis heute in alle Welt tragen».
Lagendenken und integrierter Weinbau als Grundsatz
Der Betrieb sitzt im Weiler Annunziata, unweit der alten Abtei San Martino di Marcenasco. Die rund 20 Hektar Rebfläche verteilen sich auf mehrere Lagen in La Morra sowie auf Parzellen in Guarene, Farigliano und Costigliole d'Asti — dem Geburtsort von Mauros Vater. Etwa die Hälfte der Fläche trägt Nebbiolo für den Barolo; der Rest ist Barbera, Dolcetto und — in kleiner Menge — Arneis gewidmet. Die Böden in La Morra sind kalkhaltig, mergelig und sandig: eine Kombination, die dem Nebbiolo seine charakteristische Duftfülle und Tanninweichheit gibt.
Im Weinberg setzt der Betrieb auf integrierte Schädlings- und Krankheitskontrolle, um Eingriffe auf ein Minimum zu reduzieren. Jede Lage wird separat vinifiziert, damit sie ihre eigene Herkunft möglichst klar ausdrückt — ein Lagendenken, das Mauro Molino früh verfolgte, als der Markt noch auf Volumen ausgerichtet war.
Nebbiolo mit Tiefe und Duft: was das Sortiment ausmacht
La Morra gilt als die duftigste, zugänglichste Gemeinde im Barolo-Gebiet, und die Weine von Mauro Molino spiegeln diesen Charakter präzise. Der Barolo Conca — das Flaggschiff seit 1982 — zeigt getrocknete Kirsche, Rosenblüte und Unterholz, dazu eine feine Tanninstruktur, die auf kalkig-mergeligen Böden wächst. Der Barolo Gallinotto, benannt nach dem gleichnamigen Weiler, ist eine der jüngeren Einzellagen-Abfüllungen und bringt einen etwas würzigeren, erdigen Ton mit. Der Langhe Nebbiolo DOC gibt denselben Charakter in einem schlankeren, früher zugänglichen Rahmen wieder — ein Einstieg in die Aromensprache des Hauses. Mit der Barbera d'Asti LeRadici kommt Frucht aus dem Monferrato dazu: eine 3,5 Hektar große alte Lage in Costigliole d'Asti auf 350 Metern mit Südostausrichtung, die die familiären Wurzeln im Heimatort des Großvaters wieder aufgreift. Insgesamt fünf Barolo-Abfüllungen und ein klares Bekenntnis zu piemontesischen Rebsorten machen den Betrieb zu einer verlässlichen Adresse für alle, die das Terroir der Langhe ohne Umwege ins Glas bekommen wollen.