Vom Londoner Küchentisch zum Provence-Rosé-Haus
2009 packten Stephen und Jeany Cronk ihre drei Kinder und ihren gesamten Hausrat auf einen Lastwagen und verließen die Vororte von Südwestlondon – ohne Französischkenntnisse, ohne Weinberg, ohne familiäre Verbindungen in die Region. Ihr Ziel: das malerische Dorf Cotignac im Herzen der Provence, und der Entschluss, dort einen Roséwein zu machen, der zu den besten der Appellation zählen würde. Das erste Jahr verbrachten sie damit, die Sprache zu lernen, die Provence wirklich zu verstehen und die besten Weinberge der Region ausfindig zu machen. 2010 war Maison Mirabeau gegründet, 2011 kam der erste Wein – der Mirabeau Classic – auf den Markt und sicherte sich rasch Listungen bei namhaften Händlern. Statt sofort Land zu kaufen, arbeiteten die Cronks von Beginn an mit ausgewählten Winzerfamilien der Côtes de Provence zusammen und bauten das Haus Mirabeau von der Marktseite her auf – ein für die Region ungewöhnlicher, aber konsequenter Weg. 2019 erwarben sie schließlich ein 20 Hektar großes Weingut in der Teilappellation Notre-Dame des Anges, eingebettet in das Naturschutzgebiet Plaine des Maures.
Regenerative Landwirtschaft als ernstes Bekenntnis
Auf den 14 Hektar Rebfläche des Domaine Mirabeau wachsen Grenache, Cinsault und Rolle auf rosa-sandigem Sandsteinboden, umgeben von Pinien, Korkeichen und Kastanienbäumen. Die Bewirtschaftung folgt keiner Modeformel: Das Weingut ist bio-zertifiziert und trägt die HVE-Zertifizierung der Stufe 3. Seit 2021 läuft der gesamte Betrieb mit 100 % erneuerbarer Energie, seit 2023 ist Maison Mirabeau B-Corp-zertifiziert. 2024 war die Domaine das erste Weingut Frankreichs, das den Regenerative Organic Certified®-Status erreichte. Die Konsequenz dahinter ist messbar: Seit 2021 hat sich die biologische Bodenaktivität auf dem Gut nach eigenen Angaben verzehnfacht – Ergebnis konsequenter Begrünung, Kompost-Tees aus eigenem Wingert-Material und dem vollständigen Verzicht auf künstliche Bewässerung. Stephen Cronk hat darüber hinaus die Regenerative Viticulture Foundation mitgegründet, um dieses Wissen branchenweit weiterzugeben. Das Ziel: Bis 2028 sollen alle Côtes-de-Provence-Weine des Hauses aus regenerativ bewirtschafteten Lagen stammen.
Ein Sortiment, das Rosé neu auslotet
Mirabeau steht nicht für einen einzigen Stil, sondern für verschiedene Ausdrucksformen der provenzalischen Rosé-Tradition. Der Classic ist der Einstieg in die Welt des Hauses – frisch, aromatisch, zugänglich. Der Pure zeigt eine konzentriertere, mineralischere Seite der Appellation. Das Flaggschiff La Réserve vom Domaine-Gut reift im Barrique und bringt Textur und Gewicht in eine Kategorie, die sonst oft leicht und eindimensional bleibt – Vermentino-Anteil inklusive. Wer etwas gänzlich anderes sucht, findet mit dem Mirabeau Dry Rosé Gin eine destillierte Version der Provence: mit Botanicals der Côte d'Azur, trocken, aromatisch, vielseitig. Kehrseitig des gastronomischen Anspruchs hat Chefweinmacher Guillaume Cordonis seit 2022 das Blending-Handwerk weiter geschärft – jede Cuvée entsteht in aufwändigen gemeinsamen Verkostungssessions mit den Gründern. Das Ergebnis sind Weine, die über reine Sommerlichkeit hinausgehen und ganzjährig zum Essen taugen.