Von den Tempelrittern zur Cru-Classé-Ikone
Die Geschichte von Château Roubine reicht weit vor die Gründung moderner Weinbau-Appellationen zurück. Bereits im frühen 14. Jahrhundert gehörte das Gut im Var dem Orden der Tempelritter, bevor es 1307 an den Orden des Heiligen Johannes von Jerusalem überging. Im 15. Jahrhundert war es Prestigebesitz bedeutender provenzalischer Adelsfamilien. Nach der Französischen Revolution wurde das Anwesen zerstückelt, wechselte im 19. Jahrhundert mehrfach den Besitzer und kam 1923 über Erblinie an Henri de Rohan Chabot, der es zeitweise an die Familie Ott verpachtete. 1955 adelte das französische Landwirtschaftsministerium Roubine per Dekret als eines von 23 Weingütern zum Cru Classé der Côtes de Provence — ein Status, der bis heute Bestand hat und nur einer kleinen Handvoll Güter der Appellation zukommt.
Den entscheidenden Neuanfang brachte 1994 Valérie Rousselle, gebürtig aus Saint-Tropez. Sie wechselte aus der Tourismuswirtschaft in den Weinbau — nicht als Karriereplan, sondern weil sie sich bei einem ersten Besuch auf dem Gut sofort in die Anlage verliebte. Mit elterlicher Unterstützung erwarb sie die damals 70 Hektar großen Domaine und erweiterte sie auf heute 130 Hektar, von denen 72 Hektar mit Reben bestockt sind. Parallel bildete sie sich an der Weinbauschule Suze-la-Rousse weiter und erwarb einen Abschluss in Önologie und Weinbau.
Biodynamie im Herzen des Var — konsequent, nicht modisch
Das Gut liegt zwischen Lorgues und Draguignan, eingebettet in ein natürliches Amphitheater aus Pinien und Eichen auf kalkhaltigem Lehmboden. Die Ost-West-Ausrichtung der Weinbergsparzellen sorgt für gleichmäßige Sonneneinstrahlung über die gesamte Vegetationsperiode und ermöglicht eine langsame, vollständige Reife der Trauben. Entwässert wird das Gelände auf natürlichem Weg — Roubine bedeutet im provenzalischen Dialekt schlicht „Bach" und ist damit buchstäblich Programm.
Seit 2017 ist Château Roubine Demeter-zertifiziert und arbeitet nach den Grundsätzen der Biodynamie: Mondkalender, biodynamische Präparate, geschlossener Bodenkreislauf. Die Erträge sind mit rund 40 hl/ha bewusst limitiert. Valérie Rousselle bezeichnet diesen Ansatz nicht als Marketinginstrument, sondern als logische Konsequenz ihres Verständnisses von Terroir: Nur ein lebendiger Boden kann die Eigenheit eines Ortes in die Flasche übersetzen. Neben Keller-Investitionen in moderne Verarbeitungstechnik engagiert sie sich auch über das Gut hinaus — als Präsidentin des französischen Verbands der Frauen im Wein wurde sie von der französischen Regierung für ihre Arbeit zur Förderung von Frauen in der Wirtschaft ausgezeichnet.
Rosé als Kern — mit Tiefe in allen drei Farben
Das Sortiment von Château Roubine umfasst Rosé, Weiß- und Rotweine aus 13 provenzalischen Rebsorten, darunter Grenache, Syrah, Mourvèdre, Rolle, Cinsault und der selten anzutreffende Tibouren, den Roubine als eine der wenigen Domaines der Region in Spitzencuvées einsetzt. Die Rosés — Herzstück des Hauses — zeigen die charakteristische lachsrosa Farbe der Côtes de Provence, dazu frische rote Beerenfrucht, Zitrus und mediterrane Kräuternoten bei klarem, trockenem Abgang. Die Weißweine bringen Frische und florale Rundheit, die Rotweine feine Tanninstruktur und ein Bouquet aus dunkler Frucht und dezenten Gewürzen. Cuvées wie Lion & Dragon, La Vie en Rose oder der Inspire Tête de Cuvée stehen für unterschiedliche Anspruchs- und Preisebenen innerhalb desselben konsequent biodynamischen Rahmens — vom zugänglichen Einstieg bis zur klassifizierten Spitzencuvée.